J. K. Paris, im Mai

Was in Frankreich in der Pfingstwoche auf dem Gebiet der Konvertibilität des Franc beschlossen wurde, kommt einem ersten, schüchlernen Versuch gleich, die Währungsfreiheit für Inländer vorzubereiten. Dies geschieht vorläufig durch die Einrichtung eines freien Marktes für ausländische Banknoten, wie er in gewissen anderen europäischen Ländern, auch in der Bundesrepublik, seit mehreren Jahren besteht. Aber dieser Markt wird vorerst nur eingleisig funktionieren.

Devisenausländer und Deviseninländer können zwar, ohne jede Formalität und ohne ihre Identität nachzuweisen, ausländische Banknoten in französischen Banken zum freien Kurs eintauschen, aber das umgekehrte Verfahren ist vorläufig und wahrscheinlich noch auf einige Zeit hinaus nicht erlaubt. Das bedeutet, daß der Ankauf von ausländischen Banknoten in Frankreich weiterhin streng reglementiert bleibt und ohne Genehmigung des Office des Changes nicht gestattet ist. Für Privatreisen ins Ausland wird ab 1. Juni wieder ein Betrag von 100 Dollar pro Person und pro Kalenderjahr gewährt werden.

Der Handel der französischen Banken mit ausländischen Devisen ist durch die neueste Maßnahme freigegeben worden, ebenso wie der Handel zwischen französischen und ausländischen Banken mit ausländischen Devisen. Der Ankauf von französischen Banknoten im Ausland durch französische Banken ist dagegen bisher nicht erlaubt – aber die Bank von Frankreich hat schon gelegentlich, wenn das Francangebot zu drückend wird, der schweizerischen Notenbank französische Francs abgenommen. Wahrscheinlich wird aber auch in dieser Beziehung bald eine Lockerung eintreten.

Diese Eingleisigkeit des freien Marktes für ausländische Banknoten ist natürlich ein Schönheitsfehler, aber auch in der Bundesrepublik hat man seinerzeit mit einer solchen einseitigen Regelung begonnen, als der Freimarkt für Noten eingeführt wurde. Solange der Kapitalexport für Deviseninländer nicht erlaubt ist, ist ein anderes System nicht möglich. Vorläufig kommt es der französischen Regierung auf zwei Wirkungen an:

Sie gibt den ausländischen Touristen die Möglichkeit, ihre eigenen Banknoten ohne jede lästige Formalität, zu den gleichen freien Bedingungen, wie sie im Heimatland bestehen, nunmehr bei französischen Banken gegen Francnoten einzulösen. Den privaten Schwarzhändlern wird dadurch das bisher sehr lukrative Geschäft abgegraben. Die ausländischen Banknoten fließen direkt in die Kassen der Banken.

Der Deviseninländer erhält eine zweite Möglichkeit, seinen einheimischen Devisenbesitz oder sein Fluchtkapital aus dem Ausland anonym heimzuschaffen und in Francs einzulösen. Bisher war dies nur über den Goldmarkt möglich. Durch die jetzige Erleichterung wird vermutlich kleineres Fluchtkapital den Weg in die Heimat antreten. Die französische Zahlungsbilanz kann davon nur profitieren.