Enthüllungen von Erwachsenen in Form von Romanen oder Biographien versprechen offenbar keinen Erfolg mehr. Wie aber sieht ein Kind die moderne sittenlose Welt der Erwachsenen? Wie spiegelt sie sich in seinen unschuldigen Augen? Eine Antwort darauf gibt das Buch von

Berthe Grimault: "Beau Clown"; Hans E. – Günther Verlag, Stuttgart; 186 S., 12,80 DM.

Eine vierzehnjährige französische Hirtin hat es geschrieben, ihr erwachsener Nachbar, Eliezer Fournier, hat es bearbeitet, und der französische Verleger, Juillard, stellt es in seinem Vorwort jedem frei, an die Autorschaft des Kindes zu glauben oder es zu lassen.

Eine geschäftstüchtige Spekulation mit der Lüsternheit der Erwachsenen wird deutlich erkennbar. Ein kleines Mädchen, das hemmungslos und offen über Dirnen, Soldaten und Wahnsinnige schreibt, dem "gewisse gewagte Ausdrücke" aus dem Text gestrichen werden mußten: das verspricht allerlei.

Die Autorin (oder der Autor) erzählt die Geschichte einer Bauernfamilie. Der Vater kehrt zurück, und zwar in Gesellschaft einiger Sauf- und Leidensgenossen, die gleich ihm aus der Anstalt ausgebrochen sind. In die männerlose Bauernfamilie haben unterdessen Negersoldaten mit Dollars und Schnaps ein gewisses Leben gebracht. Nach der Rückkehr des Bauern teilt man nun Wein und Weib "gerecht" untereinander. Doch da einer der Neger wegen Vergewaltigung eines Offizierstöchterchens auf der Flucht ist und gesucht wird, endet das ländliche Idyll in Tod und Flammen.

Die Einzelheiten dieser Schauergeschichte sollen durch die Unschuld der Autorin einen makabren Reiz erhalten. Es spricht für die Echtheit dieser Kindlichkeit, daß kein Tabu beachtet wird. Es wirkt jedoch nicht im geringsten kindlich-naiv, wenn zum Beispiel ausführlich über Art und Attribute des Unwohlseins der älteren Schwester geplappert wird, oder wenn einer der Ausbrecher mit perfidem Geschick als Sodomit charakterisiert wird. Es wirkt degoutant. Und da es ja bei "unschuldigen" Andeutungen bleiben muß, wird es noch nicht einmal eine Pornographie...

Der Bericht wirkt weder genialisch noch wie die Konfession eines monströsen Enfant terrible, sondern einfach langweilig.