Während sich in Genf die Diplomaten auf das Außenministertreffen rüsteten, hat das Präsidium des Obersten Sowjets drei wichtige Ernennungen in der militärischen Führung der Sowjetunion bekanntgegeben: ein General ist zum Marschall, zwei Marschälle sind zu Hauptmarschällen befördert worden.

Am auffälligsten ist dabei wohl die Beförderung des Befehlshabers der sowjetischen Truppen in der Sowjetzone, des Armeegenerals Sacharow, zum Marschall der Sowjetarmee. Matwej Sacharow, Parteimitglied seit 1917, war vor seiner Ernennung zum Oberbefehlshaber in der Sowjetzone Befehlshaber des Wehrkreises Leningrad. Seit 1954 ist er Deputierter des Obersten Sowjets.

Gleichzeitig wurde der stellvertretende Verteidigungsminister Marschall Konstantin Werschinin zum Hauptmarschall der Luftwaffe ernannt. Der heute 59jährige, seit 1919 Parteimitglied, befehligte während des zweiten Weltkrieges die Luftstreitkräfte im Nordkaukasus, der Krim, in Bjelorußland und Ostpreußen. 1957 wurde er Oberbefehlshaber der sowjetischen Luftstreitkräfte und stellvertretender Minister für Verteidigung.

Der 57jährige Mitrofan Nedelin rückte zugleich vom Marschall der Artillerie zum "Hauptmarschall" auf. Nedelin, Parteimitglied seit 1924, war im Kriege Kommandeur der Artillerie der Südwestfront und ist seit 1955 stellvertretender sowjetischer Verteidigungsminister. Seit 1952 ist er Kandidat des Zentralkomitees.

Nach den jüngsten Beförderungen gibt es bei den sowjetischen Streitkräften nun zwei Hauptmarschälle der Artillerie (N. Woronow und M. Nedelin) und drei Hauptmarschälle der Luftstreitkräfte (A. Nowikow, P. Shigarjow und K. Werschinin). Das Marschallskollegium der Sowjetunion zählt jetzt also – wenn man unterstellt, daß Shukow und Bulganin den Marschallsrang nicht mehr besitzen – wieder sechzehn Mitglieder.

Wolf gang Leonhard