Es ist eigentlich ganz gut, wenn ein Roman mit einem Personenverzeichnis beginnt, besonders wenn die fremdländischen Namen nur so umherschwirren wie in

Marjorie Housepian: "Ein Haus voll Liebe", deutsch von Stefanie Neumann; Paul Zsolnay Verlag, Hamburg-Wien; 278 S., 12,80 DM.

Und fremdländisch sind die Namen zur Genüge, denn dies ist die Geschichte einer armenischen Kolonie in New York zwischen den Weltkriegen. Es muß ganz angenehm sein, in dieser Kolonie zu leben, wenn man nun einmal Auswanderer ist, und Onkel Pousants Restaurant für armenische Spezialitäten ist gewissermaßen der häusliche Herd für die ganze Gemeinschaft und strahlt Geborgenheit aus, die uns Nicht-Auswanderern oft genug abgeht. Ein Pfund gehackte Zwiebeln als Zutat für eine unaussprechliche Fleischspeise scheint dem Onkel wichtiger als ganz New York.

Niemand denkt daran, etliche Habenichtse von Neffen auf die Straße zu setzen, weil sie unanbringliche Bilder nach Ansichtskarten von der Heimat malen oder von der Gründung einer Yoghurtfabrik träumen; denn im übrigen sind diese jungenLeute ja ganz liebenswert. Der würzige Duft von Schischkebab (was immer das auch ist) streicht durch diesen begabten Erstlingsroman, in dem so gut wie nichts passiert.

Weit weniger nervenberuhigend ist die Affäre, die ein Kenner und Könner wie Simmel erzählt:

Johannes Maria Simmel: "Affäre Nina B."; Paul Zsolnay Verlag, Hamburg-Wien; 378 S., 14,80 D-Mark.

Ihr Motto lautet: "Wer mit dem Teufel essen will, muß einen langen Löffel haben." Der Mann, der den langen Löffel braucht, ist der Erzähler der Geschichte, der Chauffeur des Schiebers und Millionärs Julius Maria Brummer (zweimal Maria?), dessen Initialen über ganz Düsseldorf schweben – und auch auf den goldgravierten Fesseln seiner Frau zu finden sind. Brummer schlägt Kapital aus der Vergangenheit anderer Leute, und heute, behauptet er, hat jeder eine Vergangenheit, auf die er nicht stolz ist – ausgenommen seine Frau, seine Köchin und sein Hund.