R. H., Hamburg

Die Hermannstraße in Hamburgs Innenstadt gibt es schon so lange, daß ihr Namensschild – einst schürzenblau – jetzt leicht ergraut ist. Frisch und leuchtend dagegen gibt eine zweite Emailletafel, unter "Hermannstraße" angeschraubt, dem Fremdling Auskunft, wer Hermann war, der hier zwischen Binnenalster und Mönckebergstraße so lange schon geehrt wird.

Aber nicht nur dem Fremdling teilt das neue Schild Neuigkeiten mit: denn, was dort steht, ist auch für Hamburger überaus neu, überraschend und sonderbar.

Natürlich hat der Hamburger Eingeborene, der sich vom fernen Parkplatz her spazierend seinem Ziele zu nähern gewöhnt ist, schon andere neue Auskunftsschilder auf seinem Wege bemerkt. Er ist durch die Paulstraße gekommen – und Paul, so selbstverständlich er ihm an dieser Stelle auch immer war, ist jetzt laut Unterzeile Paul Amsinck, 1758–1808, Kämmereibürger. Und damit ist unser ehemals so selbstverständlicher Paul ein Rätsel geworden. Wer weiß denn, was ein Kämmereibürger ist?

Der Hamburger biegt in die Hermannstraße ein, und schon von weitem sieht er auch dort den neuen blauen Streifen leuchten. Er fürchtet, den Abend vor dem Brockhaus zu verbringen, um die neuen Rätsel seiner Heimat zu lösen.

Doch diesen Alptraum verdrängt er schnell und kühn. Indem er nähertritt, hat er sich schon zurechtgedacht, daß alles einfacher ist als befürchtet: hier wird der Bruder Pauls verewigt sein, so denkt er sich. Der Hermann wird Senator Amsinck sein oder Bürgermeister Amsinck oder der Kaufherr Amsinck, der Hamburgs "Mastenwald" im Hafen befahl. Der Hamburger bleibt stehen. Hermannstraße steht angegraut da oben. Und dann wirds blau und frisch: Hermann (Arminius), 17 vor bis 21 nach Chr., Cheruskerfürst,

Nun gut, denkt sich der Bewohner der Freien und Hansestadt, es ist also kein Kaufmann und kein Kämmereibürger, sondern ein Cheruskerfürst. Hermann hieß er...