Kontakte zwischen Künstlern und Gelehrten garantieren keinen Frieden

In Würzburg fand eine "Nordische Kulturwoche" statt, die Fortsetzung einer Reihe von ähnlichen Veranstaltungen in den vergangenen Jahren, die dem kulturellen Kontakt mit Italien, Frankreich, Spanien und Portugal gewidmet waren. Diesmal galt es also der Förderung des Verständnisses für die Kulturen Dänemarks, Schwedens, Norwegens und Finnlands.

Das weitere und höhere Ziel solcher Unternehmen ist, implicite oder expressis verbis, die "Beseitigung von Vorurteilen zwischen den Völkern" und "der Ausbau einer menschlichen Verständigung auf dem Wege über die Kultur".

Zweck und Mittel sind lobenswert. Beide entsprechen den Gesinnungen und den Bemühungen, die heute auf eine bessere Untermauerung des Weltfriedens zielen, als sie bislang bestanden zu haben scheint.

Dennoch liegt in der Überbetonung nicht des idealen Verständigungs-‚ wohl aber des praktischen politischen Wertes solcher Gesinnungen und Bemühungen die Gefahr, daß die Aufmerksamkeit von den tatsächlichen Unfriedensfaktoren abgelenkt wird, von denen im entscheidenden Augenblick Völkerschicksale abhängen.

Wer möchte behaupten, daß einer der großen Kriege der letzten Jahrhunderte ausgebrochen sei infolge eines Mangels an "Verständnis" der Volker füreinander? Seit langem ist es doch so, daß die trennenden Grenzen zwischen den Menschen viel weniger zwischen Nation und Nation verlaufen als zwischen Schichten, Klassen, Konfessionen, Berufs- und Interessengruppen über alle Nationalgrenzen hinweg.

Schon seit langem besteht nicht nur Verständnis, sondern Einverständnis zwischen Künstlern, Gelehrten, Literaten, Industriellen, Kaufleuten der verschiedensten Völker; sogar zwischen den Offizieren kriegführender Armeen, wie der besondere Kodex ihrer Behandlung in Gefangenschaft zeigt.