Mir ist die Zärtlichkeit lieber; aber über Brutalität schreibt sich’s besser.-Tennessee Williams

Guter Rat für Deutschland

Die englische Sonntagszeitung Sunday Express gibt ihren Lesern einen Kurzführer für Europareisende, der darüber informiert, wie man und was man wo am besten zu essen und zu trinken bestellt, was man anziehen und was man sich ansehen sollte. Eine letzte Rubrik heißt: "Was sonst noch wissenswert ist." Da wird einem zum Beispiel ein Besuch der Brauereien in Kopenhagen mit dem lockenden Hinweis auf freie Kostproben empfohlen; da wird man darauf hingewiesen, daß in Italien von 13.30 bis 16 Uhr Mittagsruhe herrscht; da werden Angler auf die Nordmarka-Seen nördlich von Oslo und ihren Forellenreichtum hingewiesen. Für Deutschland aber heißt es: "Seien Sie als Autofahrer besondersvorsichtig. Die Straßen sind voll von neuen, unerfahrenen und undisziplinierten Führerschein-Inhabern."

Weltliteratur in Schlagzeilen

In der New York Daily News erschien eine Besprechung von Alban Bergs Oper "Wozzeck", die in der Metropolitan Opera zur Aufführung gelangte und das größte musikalische Ereignis der Spielzeit war, unter folgender Überschrift: German GI knifes wife, claims infidelity (etwa: Deutscher Landser ersticht Ehefrau wegen angeblicher Untreue). Es wäre doch gelacht, wenn sich nicht auch aus der Weltliteratur Spannung und Sensation herausholen ließe! Vorschläge: Neger bringt wegen eines Taschentuches die weiße Frau um – Politischer Mord in Schweizer Engpaß – Um reichen Fang betrogener Fischer faselt – Erotik und Philosophie in der Lungenheilanstalt – Selbstmord, weil die Geliebte bereits verlobt war – Üble Gesellschaft führt Professor zu schwerem Sittlichkeitsdelikt. Ob sich auf diese Weise Othello, Teil, Hemingways Alter Mann, der Zauberberg, Werther und Faust einem zerstreuungsbedürftigen Publikum näherbringen ließen?

Lord Byron und das Fernsehen

Der Stadtrat von Montreux veranstaltet im Frühjahr 1960 eine erste internationale Ausstellung, die einen Überblick über die künstlerischen und technischen Möglichkeiten des Fernsehens geben soll. Es überrascht, daß – Lord Byrons Profil für die Ausstellung werben wird: Man greift auf das Schloß Chillon bei Montreux und Byrons "Prisoner of Chillon" zurück.