John Foster Dulles, Außenminister des Westens

Von Theo Sommer

John Foster Dulles ist tot, der verzehrenden

Krankheit erlegen, gegen die er zweieinhalb Jahre nobel und ohne Zagen angekämpft hat. Am Mittwoch versammelten sich die Großen der Weltpolitik um sein Grab: Eisenhower, Adenauer, die Außenminister der vier Mächte, unter ihnen auch – welches Schauspiel! – Sowjetrußlands Andrej Gromyko, der Dulles oft genug mit haßerfüllten Invektiven überschüttet hatte. In der großen Politik, die sich seit fast drei Wochen auf Genf konzentriert, trat eine Pause ein.

Amerika trauert – und es trauert um mehr als nur einen amerikanischen Außenminister um den mächtigsten Secretary of State dieses Jahrhunderts, um einen Menschen, der kraft seiner Persönlichkeit ein Stück Präsident geworden war. Mit Amerika aber trauern auch seine Verbündeten – und sie trauern um mehr als nur einen amerikanischen Außenminister: Um den Mann nämlich, der im wahrsten Sinne des Wortes des ganzen Westens Außenminister gewesen ist.

Sechs Jahre lang hielt er das Ruder

Sechs Jahre lang hat John Foster Dulles den Kurs der westlichen Außenpolitik gehalten, ehe er das Ruder im Februar aus der Hand geben mußte, und in den sechs Jahren seines Wirkens war er die beherrschende Figur unter den Staatsmännern der freien Welt. Die Bürde, die auf ihm lastete, wog schwerer als die aller anderen. Zu Recht ist von ihm gesagt worden, er sei der einzige Mann gewesen, der den Kalten Krieg hätte verlieren können: "Macmillan konnte eine neue Politik anbahnen, Adenauer konnte sein Veto dagegen einlegen, aber die letzte Entscheidung lag immer bei Dulles, da nur die Macht Amerikas der Macht Rußlands die Waage hielt. Andere mochten meinen, den Kalten Krieg gewinnen oder beenden zu können – er allein konnte ihn verlieren ..."