W. A., Berlin

Der Landesparteitag der Berliner SPD hat die Stellung von Willy Brandt weiter gefestigt. Brandt, der noch vor Jahresfrist erbittert mit Franz Neumann dem ehemaligen Landesvorsitzenden und Führer des marxistischen linken Flügels, zu kämpfen hatte, gilt heute als nahezu unumschränkter Herrscher im Landesverband seiner Partei: er wurde am Wochenende mit 193 der 276 Stimmen als Landesvorsitzender für die nächsten zwei Jahre im Amt bestätigt. Auch seine beiden Stellvertreter, Mattick und Braun, sind mit klarem Vorsprung vor allen Gegenkandidaten wiedergewählt worden. Alle Versuche der "Opposition", in die Führungsgruppe einzudringen, wurden abgewiesen.

Trotzdem ist die Auseinandersetzung innerhalb der Berliner SPD noch nicht ausgestanden. Die abgewählten Funktionäre warten auf eine Gelegenheit, um wieder nach oben zu kommen. Neben Franz Neumann, der mit allen Zeichen der Verbitterung, ja des Hasses seine Kandidatur für den Posten des zweiten Vorsitzenden zurückzog, gilt vor allem der Kreuzberger Bürgermeister Kreßmann als erklärter Gegner des Bürgermeister seine Rede vom 1. Mai – er soll dabei von "Kalten Kriegern auf dem Platz der Republik" gesprochen haben – dem demnächst Gegenstand eines Parteiverfahrens wird

Ein weiteres Sorgenkind des Landesverbandes sind die Berliner "Falken". Ihre Parolen – "Deutschland ohne Ulbricht und ohne Adenauer – bereiten dem Parteivorstand immer wieder Kopfzerbrechen.

Auch weiter wird der Regierende Bürgermeister von Berlin einen beträchtlichen Teil seiner Energie der Kleinarbeit innerhalb der Partei widmen müssen.