Die vier Kreise des Welthandels rund um Europa – Entwicklungen in West und Ost

Von Karl L. Herczeg

Auch bei uns dürfte sich in nächster Zeit der "Drang nach Osten" verstärken. Symptome dafür sind erkennbar. Und wie auch immer das britisch-sowjetische Abkommen beurteilt werden mag, es wird an sich manchen in der Oberzeugung bestärken, im friedlichen Austausch mit der UdSSR sei noch einiges "drin". Mikojans Auftreten als gewandter Manager vor westlichen Industriellen wirkt lange nach und tut ein übriges. Herczeg nennt die Hoffnung auf große Ost-Geschäfte einen Mythos und versucht im folgenden nachzuweisen, weshalb sich der Ostblock von EuropEa aus gesehen erst im weist nach, weshalb sich der Ostblock von Europa aus gesehen erst etwa im vierten Rang befindet.

Der Welthandel hatte stets seinen Mythos. Als der Islam, den Weg zu den gewürzreichen asiatischen Bezugsmärkten versperrte, ging das Abendland auf die Suche nach einer neuen Verbindung. Die Edelmetalle, die dabei in Lateinamerika aufgespürt wurden, erwiesen sich insofern als verhängnisvoll, als dadurch die iberischen Mächte die Entwicklung ihrer heimischen Wirtschaft gründlich vernachlässigten.

Aus den Anfängen des Ostasienhandels datiert jener Mythos, der die Unerschöpflichkeit vor allem des chinesischen Marktesverkündete. Mancher Händler und Fabrikant stellte bis in das 20. Jahrhundert hinein phantasievolle Berechnungen darüber an, wieviel er von seinen Erzeugnissen verkaufen könnte, wenn bloß jeder zehnte Chinese diese erwirbt. Erst sehr spät setzte sich die Erkenntnis durch, daß man mit einem Armenhaus keinen Handel betreiben kann.

Die Außenhandelsstatistik belegt diese Erfahrung mit eindrucksvollen Daten: Zwischen 1910 und 1937 kaufte die hochentwickelte japanische Volkswirtschaft je Kopf der Bevölkerung fünfzehnmal soviel Güter aus den USA wie das halbkoloniale, kaufkraftarme China. Niemand sprach jedoch von der Bedeutung des japanischen Marktes. Der chinesische Mythos verhinderte das.

Diese Erfahrung hinderte keineswegs das Aufkommen eines neuen Mythos: die These von den grenzenlosen Entwicklungsmöglichkeiten des O’t-West-Handels. Wie steht es nun damit in Wirklichkeit und welche Entwicklungen sind zu erwarten?