Statistik bringt Unfall-Ursachen an den lag

So mutig und berechtigt die Attacke ist, die Rudolf Walter Leonhardt (in Nr. 20 der ZEIT) gegen die "die Autofahrer bedrohende Obrigkeit" geführt hat, so groß ist auch die Gefahr, daß sie nutzlos verpufft: das Kernstück des Aufsatzes, die Behauptung über die Rangfolge der Unfallursachen

1. Straßen- und Verkehrsanlagen,

2. unzureichende Fahrausbildung,

3. charakterliche Mängel der Fahrer (Rücksichtslosigkeit, Ängstlichkeit, Phantasielosigkeit, Auf-sein-Recht-Pochen, Machtrausch der 50 PS, Renommiersucht)

widerspricht der amtlichen Meinung, wie sie aus der amtlichen Interpretation der Verkehrsunfallstatistik folgt. Denn diese geht dahin, 80 v. H. aller Unfälle den Fahrern "anlasten" zu müssen. Dadurch scheint die Behauptung Leonhardts unbewiesen im luftleeren Raum zu stehen und läuft Gefahr, genauso unbeachtet zu bleiben, wie die immer wieder von Fachleuten vorgebrachte Meinung, daß wir uns einem Verkehrs-Chaos näherten.

Da nun unglücklicherweise die Straßenunfälle ein soziales Massenphänomen sind, das anders als statistisch überhaupt nicht begriffen werden kann, ist auch die These von Leonhardt nur statistisch zu verteidigen. Dazu muß man aber die amtliche Interpretation der Straßenverkehrs-Unfallstatistiken widerlegen. Insbesondere die Arbeiten über die Verteilung der Unfälle über die Stunden des Tages sind dafür brauchbar. Diese Ergebnisse sind weder bestritten noch bestreitbar. Sie haben die gar nicht weiter erstaunlich wirkende Tatsache ergeben, daß die täglichen Unfälle drei Maxima haben, morgens vor 7 Uhr, mittags vor 14 Uhr und abends vor 19 Uhr. Die Ursache für diese Verteilung ist eindeutig die wechselnde Verkehrsdichte.