Bundesbankpräsident Blessing hat in einer Rede vor der Eisenindustrie seiner Überzeugung Ausdruck gegeben, daß der Dollar hart bleiben werde und eine Erhöhung des Goldpreises nicht in Frage komme. In seinen Worten klang aber auch die Mahnung an die USA durch, eine Politik finanzieller Stabilität zu treiben und Inflationstendenzen zu bekämpfen, weil die weltweite Bedeutung des Dollars dies verlangt. Es wäre sicherlich gut, wenn sich die Amerikaner darüber klarwürden, daß es bei dieser Frage nicht darum geht, wie die Konjunktur angefeuert werden kann, sondern um eine politische Frage erster Ordnung. Die westliche Welt kennt keinen zentralen politischen Willen. Sie wird im wesentlichen durch zwei Klammern zusammengehalten. Einmal durch Abreden über eine gemeinsame militärische Verteidigung und zum anderen durch den Dollar, der heute juristisch und de facto die Leitwährung darstellt. Er ist der feste Punkt in einem System von Relationen.

Der bisher feste und nicht im Gerede stehende Dollar bildete die Voraussetzung für die Integration der Warenmärkte. Er allein läßt auch die Hoffnung real erscheinen, daß es in der westlichen Welt wieder zu freien internationalen Kapitalbeziehungen kommen wird, ohne die sich das Problem der unterentwickelten Länder nicht lösen läßt. Wird der Dollar aufgeweicht, dann hält die Klammer nicht mehr. Was bleibt den Regierungen der einzelnen Länder übrig, wenn es keinen ehrlichen Weltmarkt mehr gibt, als sich auf das Gebiet zu beschränken, das sie mit administrativen Maßnahmen zu beherrschen vermögen. Die Welt zerfällt dann wieder in Nationalwirtschaften. An die Stelle des Dollars kann keine andere Währung treten; das Pfund ist hierfür zu schwach. D-Mark, Schweizer Franken und alle anderen harten Währungen scheiden aus, weil sie keine Weltwährungen sind. W. R.