Wie sagt der Volksmund? "Vor den Eichen sollst du weichen" – falls es blitzt und donnert. Hunderttausenden von Deutschen ist es aber so ergangen, die sich im Kriegsgewitter im Schutz der Eichen sicher wähnten. Jedoch die Eichen sind erhaben darüber, was man von ihnen denkt. Und so hat bei einem Treffen des Bundes deutscher Fallschirmjäger und des Kameradschaftsbundes Fallschirmpanzerkorps Hermann Göring in Freiburg der ehemalige Fallschirmjägergeneral Ramcke gesagt: "Was stört es den Eichbaum, wenn sich die Sau an ihm schubbert!"

Dieser Eichbaum, das ist natürlich er selber, der Fallschirmjägergeneral a. D., letzter Kommandeur der Festung Brest, Diener des Führers bis fünf Minuten nach zwölf und damit einer von denen, die die Zerstörung Deutschlands perfekt machen halfen. Die "Sau", die sich an diesem Eichbaum "schubbert", das ist der Publizist Kuby, der in dem Hamburger Beleidigungsprozeß, den Ramcke gegen ihn angestrengt hatte, freigesprochen wurde: ein Fall, der den zweiten Bundesleiter der Fallschirmjäger, Böhmler, dazu veranlaßte, von einem "Justizskandal" zu sprechen, wobei er in Umkehrung eines Wortes des Hamburger Oberstaatsanwalts meinte, es gebe heute zu viele Kubys und zu wenige Ramckes. Der erste Bundesleiter, Dr. Schmieden, ergänzte: "Nicht auf die Kubys, sondern auf die Ramckes baut sich ein wehrbereiter Staat auf."

Wir möchten hier keine Lanze für "die Kubys" brechen. (Sie sind übrigens aus unterschiedlichen Gründen rarer, als sich das die Ramckes vorstellen können.) Aber von den Ramckes, zumal in der Rolle von Eichbäumen, haben wir genug. Oder glauben die Ramckes und Rudels und wie sie alle heißen mögen, etwa, es sei inzwischen in der Bundesrepublik schon wieder soviel aufgebaut, daß nun bald wieder sie an der Reihe wären: die Werkzeuge des Zerstörers? Robert Strobel