Wer die Stellenangebote führender Zeitungen durchgeht, muß sich oft fragen: Wer ist in diesen Anzeigen eigentlich gemeint?

Da sucht ein Bamberger Werk als Einkäufer einen "Könner von Format". Ein Unternehmen der Fahrzeugindustrie wünscht nur Bewerbungen von "bestqualifizierten Eisenhändlern". "Außerordentliche Leistungen" erwartet vom künftigen Verkaufsleiter ein Versandunternehmen der Getränkebranche. Für einen Wollespezialisten bietet sich eine Chance, alleiniger Geschäftsführer zu werden, wenn er "ein vorzüglich ausgebildeter Textilfachmann von außergewöhnlichem Format" ist. Weltbekanntes Unternehmen der Lebensmittelindustrie erbittet "nur Zuschriften hochqualifizierter wirklicher Meister der Kochkunst".

Vergleichen wir mit solchen Wunschträumen die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Daß Mangel an Führungskräften herrscht, ist allgemein bekannt. Der Verein Deutscher Ingenieure hat beispielsweise ermittelt, daß in Westdeutschland etwa 40 000 Ingenieure fehlen. Wer ein Könner ist, hat aller Wahrscheinlichkeit nach bereits eine führende Stellung. Wer ein Könner sein wird, weiß es erst dann genau, wenn er sich erprobt hat und entsprechende Beurteilungen vorweisen kann.

Für eine befriedigende Lösung des Führungsproblems sind die Aussichten gering. Wie Psychologen und Anthropologen festgestellt haben, übersteigt die Nachfrage das von der Natur festgesetzte Maß an Begabungsreserven. Nur 10 v. H. der westdeutschen Jugendlichen sind für die Weiterbildung an Fachschulen, und nur 5 v. H. für den Hochschulbesuch geeignet.

Ein bekanntes Mittel ist die "Abwertung", die aber an der Gesamtlage nichts ändert, da ja der Abgeworbene eine offene Stelle zurückläßt, wenn er die neue, besser bezahlte, annimmt.

Eine andere Möglichkeit bestünde darin, daß der Hochqualifizierte verschiedene Verpflichtungen in mehreren Firmen übernähme; aber auch diesem Ausweg sind natürliche Grenzen gesetzt.

Am erfolgversprechendsten scheint ein von Dr. Adam Hüfner vorgeschlagener Weg zu sein: rationelleren Einsatz der leitenden Persönlichkeiten anzustreben, verwandte Betriebe zu Gruppen zusammenzufassen, ähnliche Führungsaufgaben zu zentralisieren.