Rom, im Mai

Zu den erlauchtesten Besuchern Roms gehört im Augenblick der Imam von Jemen. Der Imam ist Gast der italienischen Regierung – er, seine drei Frauen, 26 Konkubinen, acht Sklavenmädchen und ein Dutzend Eunuchen zuzüglich eines finsteren Gefolges dolchbewehrter, szimitarschwingender Leibwächter. Diese Zahlenangaben haben wir von Mitgliedern des römischen Presseklubs. Aus der Umgebung des Imam konnten wir freilich keine Bestätigung dafür erhalten: Von denen sagt keiner auch nur pieps.

Als der Imam in Rom ankam, wurde er zunächst in einem Hotel außerhalb der Stadt untergebracht, doch als einer seiner Leibwächter einen Pressephotographen zersäbelte, hielt man es für besser, den Fürsten samt Anhang nach dem abgelegenen Fregene umzusiedeln.

Jetzt läßt der Imam in einer Klinik verschiedene Wehwehchen behandeln. Für einen Kommentar stand er deshalb nicht zur Verfügung. Wir hatten gehofft, daß wir ihm die Frage stellen könnten, wie das eigentlich ist, wenn ein Mann mit so vielen Frauen reist. Wir selbst finden es nämlich schon schlimm genug, mit einer Frau zu reisen, und unsere uneingeschränkte Bewunderung gilt jedem, der es mit dreien kann – von den 26 Konkubinen und den acht Sklavenmädchen einmal gar nicht zu reden.

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Indes führte uns eine glückliche Fügung neulich dem bärtigen Nubam von Lemon über den Weg. Er ist kein Verwandter des Imam, aber er stellt im Orient auch etwas Mächtiges vor. Die Reisegesellschaft des Nubam ist ebenso groß wie die des Imam. Er befindet sich nur für wenige Tage in Rom.

"Hoheit", sagten wir, "weshalb reisen Sie mit drei Frauen, 26 Konkubinen, acht Sklavenmädchen, einem Dutzend Eunuchen und einem finsteren Gefolge dolchbewehrter, szimitarschwingender Leibwächter?"