Nun wurde auch die Erinnerung an Vorgänge aufgefrischt, die früher schon dem Bürgermeister angekreidet worden waren. Das waren vor allem :

Der Bau und die Finanzierung eines 36-Wohnungen-Doppelblocks. Sachlich ungenügend fundierte Behauptungen einer Lübecker Zeitung über angeblich unzureichende Eigenmittel des Mitbauherrn Böttcher trugen ihr ein Verleumdungsverfahren ein, das noch nicht abgeschlossen war.

Der allerdings gescheiterte Versuch, eine schleswig-holsteinische Finanzgruppe, der ein Schwager Dr. Böttchers angehört haben soll, bei der Konzessionsvergabe für die Travemünder Spielbank ins Spiel zu bringen. Der Bürgermeister und Landtagspräsident soll sich dabei für eine 20prozentige Minimalbeteiligung dieser Gruppe eingesetzt haben.

Allein, die in Lübeck und Kiel anrollende Anti-Böttcher-Kampagne nötigte den Riviera-Urlauber noch nicht Zur Rückkehr. Landtagsdirektor Riedel mußte daher mit dem (inzwischen zurückgekehrt ten) Dienstwagen des Präsidenten ans Mittelmeer fahren, um den Angegriffenen zur Rechtfertigung und Verteidigung heimzuholen. Eile tat not, denn die SPD-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft hatte inzwischen die Abberufung des Bürgermeisters beantragt.

Sofort nach der Rückkehr hatte Dr. Böttcher eine Aussprache mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten und CDU-Landesvorsitzenden von Hassel. Am selben Tage noch folgte eine sieben-

stündige Sitzung der Lübecker CDU-Fraktion und des Kreisparteivorstandes. Im "Brautgemach" des historischen Ratskellers mußte Dr. Böttcher mit anhören, wie seine Parteifreunde ungeniert in seiner Anwesenheit die Frage der Nachfolge auf dem Bürgermeisterstuhl erörterten. Am gleichen Abend auch verkündete die FDP/BHE/DP-Fraktion ihren Entschluß, dem Antrag der SPD auf Abwahl zuzustimmen. Und drei Tage vor der entscheidenden BürgerschaftSsitzung hat auch die CDU-Fraktion in Anwesenheit von Böttcher beschlossen, für die Abberufung des Bürgermeisters zu stimmen, Der Ausgang der Abstimmung ist damit sicher; Böttcher wird das Bürgermeisteramt abgeben müssen.

In Kiel wird damit gerechnet, daß Böttcher auch nicht mehr in das Landesparlament zurückkehren wird, nachdem seine eigene Fraktion in Lübeck sich von ihm losgesagt hat. Der Landtag wird also auch einen neuen Landtagspräsidenten wählen müssen.

Die Entscheidung aber fällt in Lübeck. In der Tagesordnung für die Bürgerschaftssitzung ist Unter Punkt 3 aufgeführt: "Antrag auf Abberufung des Bürgermeisters."