Die Landesbank und Girozentrale Saar berichtet in Übereinstimmung mit den übrigen saarländischen Kreditinstituten, daß die Geschäftstätigkeit im Jahre 1958 befriedigt habe. Das Kreditvolumen wurde der guten Einlageentwicklung entsprechend erheblich ausgeweitet, zumal die Nachfrage, insbesondere nach langfristigen Darlehen, sehr lebhaft war. Die Bilanzsumme wuchs um annähernd ein Fünftel. Die von der Landesbank gegebenen steuerfreien Pfandbriefe und Kommunalobligationen zu 6, 5 1/2 und 4 1/2 v. H. erreichten im März dieses Jahres 14,8 Milliarden Frs.; einschließlich der noch vorgesehenen Emissionen wird man über einen Gesamtemissionserlös von 25,5 Mrd. verfügen, zumal die Unterbringung der Papiere mit Hilfe der angeschlossenen Sparkassen keine Schwierigkeiten bereitet.

Trotz der ab März 1958 wirksam gewordenen kreditpolitischen Beschränkungen der französischen Notenbank hat auch das kurzfristige Geschäft befriedigt. Die stärkere Inanspruchnahme von Kontokorrentkrediten wird vornehmlich mit dem durch die Rückgliederung bedingten höheren Finanzbedarf sowie die kurz vor Jahresultimo erfolgte Frankenabwertung begründet. Im mittelfristigen Bereich war von Bedeutung, daß die Kreditanstalt für Wiederaufbau in Frankfurt nach dem Tage X die Anschluß-Refinanzierung der mittelfristigen auf Wechselbasis gegebenen Investitionskredite bis zu einem Plafond von 60 Millionen DM zugesagt hat. Bisher wurden diese in Anlehnung an die französischen Verhältnisse geschaffenen 5-Jahres-Wechselkredite von der Saarländischen Rediskontbank, der Korrespondentin der Banque de France, refinanziert. An ihre Stelle tritt vom Tage X ab die Landeszentralbank Saar.

Erstmals wurden die vom Bund zur Verfügung gestellten ERP-Mittel auch von mittleren und kleinen Saarbetrieben lebhaft nachgefragt, nachdem 1957 noch eine auffallende Zurückhaltung in der Beanspruchung dieser Gelder zu beobachten war. Es handelt sich hierbei um insgesamt 300 Mill. DM zuzüglich einer Aufstockung für 1959 von 60 Mill. DM., die der Saarwirtschaft für Umstellungs- und Rationalisierungsmaßnahmen in Form langfristiger Kredite zu günstigen Bedingungen gewährt werden. Nach dem übereinstimmenden Urteil saarländischer Bankfachleute haben diese ERP-Kredite dazu beigetragen die Investitionstätigkeit im Saarland anzuregen. Man darf deshalb feststellen, daß der Ausrüstungrückstand der Saar gegenüber der bundesdeutschen Konkurrenz sich verringert hat, zumal auch durch die heimische Kapitalbildung zunehmende Finanzierungsmöglichkeiten vorhanden waren. Da die Saarunternehmer auch im letzten Jahr der Übergangszeit nicht untätig bleiben werden, wird sich der Ausrüstungsstand der Saarwirtschaft weiter verbessern.

Bis Ende des vergangenen Jahres erhöhten sich die Gesamteinlagen aller saarländischen Kreditinstitute um reichlich ein Zehntel auf 156 Mrd. Frs. Der Zuwachs entfiel in der Hauptsache auf die stark gestiegenen Spareinlagen. Offensichtlich hat sich die Spartätigkeit im Saarland von der zweiten Jahreshälfte 1958 ab erheblich gebessert. Die währungsbedingten Abhebungen hatten nach der ersten Francabwertung im August 1957 ein bedrohliches Ausmaß erreicht.

Die Landesbank und Girozentrale Saar beabsichtigt, als besonderen Beitrag zu den Bemühungen um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rückgliederungsbedingungen. in Paris eine Bank zu gründen. Die Bank, die den Namen "Banque Franco-Sarroise" erhalten wird, ist die erste deutsche Bank, die in Paris errichtet wird. Die Rechtsform der neuen Bank ist die Aktiengesellschaft nach französischem Recht. Das Kapital soll 300 Mill. ffrs betragen und sich praktisch zu 100 v. H. in den Händen der Landesbank und Girozentrale Saar befinden. W. G.