Der jetzt vorliegende Geschäftsbericht 1958 der Schering AG, Berlin, bestätigt den gesunden Optimismus, mit dem die Verwaltung kürzlich an den Erwerb der Chemischen Werke Bergkamen AG und damit zusammenhängend an die Auflegung einer Wandelanleihe von 21 Mill. DM herangegangen ist (vergleiche DIE ZEIT Nummer 16 vom 17. 4.). Der Dividenden-Ankündigung von 13,5 (11) v.H. auf das erhöhte AK von 70 (50) Mill. DM folgt jetzt die Begründung: Im Berichtsjahr hat sich die Gesellschaft trotz zahlreicher Erschwerungen zwar nicht mehr ganz so stürmisch wie im Vorjahr, aber weiterhin überdurchschnittlich günstig entwickelt. Während die gesamte chemische Industrie 5 v.H. und die pharmazeutische Industrie, der wichtigste Geschäftszweig von Schering, allgemein 7 v.H. Mehrumsatz erzielten, erreichte die Zuwachsrate bei Schering noch immer 10 (22) v.H. Dabei trat trotz unterschiedlicher Entwicklung der einzelnen Sparten in keinem Geschäftszweig ein Rückgang ein. Der hohe Exportanteil von 51 (52) v.H. blieb fast unverändert, wobei sich eine gewisse Verschiebung zugunsten der Länder des Gemeinsamen Marktes ergab, die einschließlich Deutschland 55 (53) v. H. der Gesamtumsätze aufnahmen.

Einige Sonderfaktoren lassen diesen Erfolg noch deutlicher werden: Die Lage Berlins, wo die pharmazeutische Produktion des Unternehmens konzentriert ist, ist – mindestens psychologisch – exponiert. Der verschärfte Wettbewerb zwang zu Preisermäßigungen, die zu einem Rückgang der Erlöse um durchschnittlich 5 v. H. führten, allerdings durch niedrigere Rohstoffpreise und stärkere Rationalisierung der Produktion ausgeglichen wurden. Andererseits wurde die Forschung, die seit dem Zusammenbruch zunächst zugunsten dringlicherer Produktionsaufgaben vernachlässigt worden war, erstmals mit erheblich höheren Aufwendungen bedacht, u. a. durch den Baubeginn des mit 10,5 Mill. DM veranschlagten neuen Hauptlaboratoriums in Berlin, in das kürzlich die ersten Abteilungen eingezogen sind.

Nicht zuletzt erforderte der hohe Exportanteil den Ausbau des ausländischen Vertriebs- und Produktionsnetzes. Von den 23,3 (21,0) Mill. DM, die in die Sachanlagen investiert wurden, entfielen allein 18,7 (12,9) Mill. DM auf Produktionsanlagen und Forschungsstätten, wovon 9,5 (6,1) Mill. DM durch Abschreibungen verdient wurden. Von den Beteiligungszugängen, die 3,8 (6,2) Mill. DM ausmachten und zu einem Anwachsen der Finanzanlagen auf 21,4 (18,9) Mill. DM beitrugen, entfiel der weitaus größte Teil auf die Auslandsvertretungen.

Im Inland wurden ferner das Werk Wolfenbüttel, in dem Pflanzenschutzmittel und Galvanobedarfsartikel hergestellt werden, und das Werk Feucht bei Nürnberg, das sich verstärkt der Fertigung automatischer Galvanisieranlagen widmet, beträchtlich ausgebaut. In die Zukunft weist auch der um 420 auf rd. 3950 Kräfte erhöhte Personalbestand, der erstmals seit vielen Jahren relativ stärker als der Umsatz gewachsen ist. Die Neueinstellungen beschränkten sich auf qualifizierte Kräfte für die Forschung und den Vertrieb. Diese Abteilungen sollen auch weiterhin mit erhöhten Aufwendungen bedacht werden. Daß diese Mehrkosten – der Personalaufwand stieg im Berichtsjahr um 4,9 Mill. DM oder fast 17 v.H. auf 34,2 Mill. DM – sich zu rentieren beginnen; läßt der zuversichtliche Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr erkennen. Nach der Umsatzentwicklung in den ersten vier Monaten dieses Jahres erwartet die Verwaltung eine "Geschäftsausweitung in mindestens gleichem Umfang wie im abgelaufenen Jahr" und "wiederum ein befriedigendes Ergebnis".

Die namentlich erwähnten Organ- und Beteiligungsgesellschaften lagen ebenfalls gut im Rennen. Die Pfeilring-Werke AG, Berlin, erzielten mit ihren neuen Kosmetika ein Umsatzplus von 29 (27) v. H.s das AK von 1,2 Mill. DM, an dem Schering unverändert mit 96 v. H. beteiligt ist, soll in der HV am 3. Juni auf 2,0 Mill. DM erhöht werden. – Die voll, im Schering-Besitz befindliche Duco AG, Berlin, erzielte bei 0,5 Mill. DM AK einen Gewinn aus Lizenzeinnahmen von 0,2 (0,4) Mill. DM, dessen-Rückgang mit der Notwendigkeit zu verstärkten Abschreibungen auf ausländische Beteiligungen begründet wird. – Selbst von der Concordia Bergbau-AG, Oberhausen (Rheinland), von deren AK von 21 Mill. DM Schering jetzt nach dem Neuerwerb von 0,7 Mill. DM Aktien rd. 57 (54) v. H. besitzt, wird trotz des starken Einflusses der Kohlenabsatzkrise eine Dividende "in annähernd der gleichen Höhe" wie 1957 (6 v. H.) erwartet.

Der auf den 9. 6. einberufenen HV wird eine Bilanz vorgelegt, die das Vertrauen der Börse sowohl in die Schering-Aktie als auch in die neue Wandelanleihe rechtfertigt. Bei einer Steigerung des Bilanzvolumens um reichlich 20 v. H. auf 170,9 (141,9) Mill. DM ist das Anlagevermögen um gut 22 v. H. auf 86,8 (70,9) Mill. DM gewachsen. Ihm stehen 70 (50) Mill. DM AK und 31,8 (28,5) Mill. DM Rücklagen gegenüber, zu denen noch Rückstellungen von 31,4 (27,2) Mill. DM kommen. Die Zunahme des Umlaufvermögens von 70,8 auf fast 84,0 Mill. DM ist im wesentlichen auf die um 10,1 auf 47,9 Mill. DM erhöhten Warenvorräte zurückzuführen, zum geringeren Teil auf erhöhte Konzernforderungen. In der Gewinn- und Verlustrechnung, die mit 61,1 (57,2) Mill. DM abschließt, ist der Rohertrag von 57,7 (55,0) Mill. DM nur um etwa 5 v. H. und damit etwa nur halb so stark gestiegen wie der Umsatz. Dennoch ist der Reingewinn von 9,45 (4,95) Mill. DM um etwa 91 v. H. höher, weil die Ertragssteuern von 10,4 auf 4,6 Mill. DM zurückgingen. Die sonstigen Steuern blieben mit 1,0 Mill. DM unverändert. G. G.