Lindrath will ERP-Schatz sinnvoller und sparsamer einsetzen

Minister Lindrath will den in seiner Obhut stehenden ERP-Schatz, der aus der amerikanischen Nachkriegs-Wirtschaftshilfe entstanden ist, künftig sorgsamer hüten. "Horten" will er die alljährlich für Kreditvergaben und Zuschüsse zur Verfügung stehenden ERP-Mittel (mehr als eine Milliarde DM) zwar unter keinen Umständen, aber, er. möchte sie fortan, mit einem größeren volkswirtschaftlichen Effekt einsetzen. Er ist es leid, weiterhin überall dort mit ERP-Hilfen einspringen zu müssen, wo ein Kreditbedürfnis besteht. Das mag in den vergangenen Aufbaujahren gerechtfertigt und auch notwendig gewesen sein. Aber nun, da die für die Durchführung von Investitionen benötigten Kredite mühelos auf dem Kapitalmarkt beziehungsweise von den Kreditinstituten beschafft werden können, sieht der Bundesschatzmeister die von den Verwaltern des ERP-Sondervermögens bisher angewandten Finanzierungs-Grundsätze mit Recht als revisionsbedürftig an.

Der Strom floß reichlich

Wie sahen – diese Finanzierungsgrundsätze bisher aus? Um es ganz kraß auszudrücken: kreditbedürftige Wirtschaftsbereiche brauchten nur die Zauberformel "Sesam, öffne dich" auszusprechen und ihren Kreditbedarf plausibel nachzuweisen, und schon öffneten die ERP-Vermögensverwalter ihre Tresore.

Ob Handwerk, Handel, Kleingewerbe – ob Fischwirtschaft, Kohlenbergbau, freie Berufe, Verkehrsbetriebe oder Flüchtlings- und Vertriebenen-Unternehmen – sie alle und andere Wirtschaftsgruppen machten in den vergangenen Jahren von diesem einfachen Rezept zur Kreditbeschaffung ausgiebig Gebrauch. Mit Erfolg; reichlich floß der Strom zinsbegünstigter ERP-Kredite.

Aber das ERP-Sondervermögen ist nicht unerschöpflich. Die ERP-Verwalter können nicht – gleich einer Feuerwehr – überall helfend einspringen, wo ein Kreditbedarf zu konstatieren ist, und es in finanzieller Hinsicht "brennt".

Wohin der Hase laufen soll