Die Kontrolleure, welche die Hohe Behörde der Montan-Union an die Ruhr entsenden will, haben Staub aufgewirbelt Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Essen und Luxemburg betreffen in erster Linie die Überwachung der drei Ruhrkohlen-Verkaufsgesellschaften "Geitling", "Präsident" und "Mausegatt". Nachdem Direktor Dr. Regul von der Hohen Behörde in Luxemburg nicht Leiter der Kontrollbehörde sein wird, verlautet jetzt, daß möglicherweise Prof. Walter Hoffmann (Münster) diese Funktion übernimmt.

Auf der jüngsten Session des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe des Ostblocks (Comecon) ist ein Programm zur Koordinierung der Wirtschaftspläne der UdSSR, und der europäischen Volksdemokratien aufgestellt worden, das für den Zeitraum von 1959 bis 1965 gelten soll. Abgestimmt wurde die Produktion in den Bereichen Kohle, Koks, Gußeisen, Stahl und vor allem Energie. Hochspannungsleitungen sollen die Satelliten in Zukunft mit der Sowjetunion verbinden. – Vorgesehen sind, wie AFP meldet, Spannungen "van 220 000 Voll und mehr".

Eingeweihte wissen von Bonner Bestrebungen zu berichten, die längst fällige Neuwahl der Hohen Behörde der Montan-Union bis zur Ernennung des neuen Bundeskanzlers zu vertagen. Danach solle Dr. Westrick vom Bundeswirtschaftsminister zum Präsidenten der Hohen Behörde vorgeschlagen werden. Die Bundesrepublik würde dann den Anspruch auf den Präsidenten der EWG-Kommission verlieren. Frankreich stellt mit Etienne Hirsch bereits den Präsidenten der dritten europäischen Gemeinschaft, Euratom. Prof. Hallstein würde daher nach dieser Version durch einen Italiener abgelöst werden. – Nolens volens?

Der Betriebsrat des Steinkohlenschachts Friedrich Thyssen – Friedrich-Thyssen-Bergbau AG, Duisburg-Hamborn – protestierte vor einigen Tagen auf einer von 2000 Bergleuten besuchten Belegschaftsversammlung gegen die Stillegung des Schachts. Der Betriebsrat drängte dem Vorstand gegenüber darauf, bei beabsichtigten Arbeitsverlegungen jegliche sozialen Nachteile für die Bergleute zu vermeiden. Der Vorstand sagte die Berücksichtigung dieses Wunsches zu und versicherte, daß die gesamte Belegschaft in anderen Zechen weiterbeschäftigt werde und die Arbeiter in ihren Wohnungen verbleiben könnten. – Die soziale Marktwirtschaft ist also doch eine Realität!

Die Schere zwischen der bezahlten und der geleisteten Arbeitszeit in der Industrie öffnet sich immer mehr. Im Zuge der Arbeitszeitverkürzung ist die bezahlte Arbeitszeit in der Bundesrepublik von 1957 auf 1958 um 1,7 v. H. auf 45,7 Stunden wöchentlich zurückgegangen. Die tatsächlich geleistete Arbeitszeit sank dagegen um 3,5 v. H. auf 41,5 Stunden in der Woche. Damit hat sich der Bruttostundenverdienst um 6,8 v. H. auf 231,6 Pfennig erhöht bei einer gleichzeitigen Zunahme des Entgelts je tatsächlich geleisteter Arbeitstunde um 8,8 v. H. auf 255,0 Pfennig.