Das Wettbewerbsproblem "Schiene – Straße" gibt es nicht nur in europäischen Ländern. Auch jenseits des Atlantik verlieren die Eisenbahnen einen immer größeren Teil ihrer Frachteinnahmen an den ständig wachsenden Straßenverkehr.

Die nationale Eisenbahngesellschaft der Republik Brasilien, die 16 im Staatsbesitz befindliche Bahnlinien verwaltet, hat angesichts dieser Entwicklung bei den Verladern eine Umfrage durchgeführt, um zu erfahren, warum sie der Schiene untreu geworden sind.

Die Antworten waren für die Eisenbahner nicht gerade schmeichelhaft; 31,4 v. H. der antwortenden Firmen betonten, daß der Transport im der Straße weniger Zeit in Anspruch nehme als die Beförderung auf dem Schienenweg. In 20,8 v. H. der Antworten wurde der Haus-Haus-Verkehr des Lastkraftwagens als wesentlicher Vorteil bezeichnet. 18,5 v. H. der Befragten stellten fest, daß die Tarife im Straßengüterverkehr günstiger seien als bei der Bahn. 8,5 v. H. hatten die Erfahrung gemacht, daß auf. dem Schienenwege das Ladegut leichter beschädigt wurde und 6,5 v. H. wurden bei Havarien von den privaten Transportunternehmen schneller entschädigt als von der staatlichen Eisenbahn.

Gewiß kann man die Verhältnisse in Brasilien nicht ohne weiteres mit europäischen Maßstäben messen. Unsere Eisenbahnen sind in technischer Hinsicht dem Straßenverkehr gegenüber wettbewerbsfähiger und haben sich beispielsweise durch den Behälterverkehr auch einen Haus-Haus-Service geschaffen. Dennoch ist diese brasilianische Umfrage auch für uns interessant. Vielleicht wäre das Defizit mancher staatlichen Eisenbahn in Europa nicht ganz so groß, wenn sie sich noch mehr um die individuellen Wünsche der Verlader kümmern und auch einmal per Fragebogen nach den Gründen forschen würde, die manches bisher schienentreue Unternehmen plötzlich veranlaßte, dem Lastkraftwagen den Vorzug zu geben. Kl.