A. W. A., Berlin

Mit der Grundsteinlegung zum Neubau der Kaiser – Wilhelm – Gedächtniskirche wurde jetzt ein neues Kapitel in der wechselvollen Geschichte des umstrittenen Bauwerks begonnen. Daß es freilich ein letzter, abschließender Abschnitt wäre, der den jahrelangen Streit um den Wiederaufbau zu einem guten, allseits befriedigenden Ende führen würde – gerade das ist weniger wahrscheinlich denn je. Denn die Meinung der Berliner ist in dieser Sache niemals skeptischer gewesen als heute.

"Dem Wiederaufbau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche steht nichts mehr im Wege": so hatte das Hauptamt für Stadtplanung vor fünf Jahren mehrmals verkündet, und der damalige Bausenator, Dr. Mahler, hatte hinzugefügt: "Das Problem der Neugestaltung des (die Kirche umgebenden) Breitscheidtplatzes ist für uns, auch in verkehrstechnischer Hinsicht, gelöst. Die Baubehörde wird dem Bauherrn der Gedächtniskirche keinerlei diesbezügliche Auflagen erteilen. Ob und wie das Gotteshaus wiederaufgebaut wird, ist allein Sache der Kirchenleitung"

Millionen für ein Modell

Die Gemeinde aber hatte bereits Professor March, den Erbauer des Olympia-Stadions, mit dem Ausbau der Ruine in den alten Umrissen beauftragt. Das Modell seines Entwurfs war lange am Breitscheidtplatz ausgestellt und von den Berlinern mit Millionenbeträgen honoriert worden, die durch eine Tombola, wiederholte Straßensammlungen und – nicht zuletzt – durch Stiftungen aus dem Ausland (vor allem von Deutschamerikanern) zusammenkamen, wobei ausdrücklich der Wiederaufbau des Bauwerks im alten Stil zur Bedingung gemacht wurde. Mit der neuen Turmuhr, die in der Neujahrsnacht 1955 nach zehn Jahren gespenstischen Schweigens zum erstenmal wieder ihre Schläge über die Boulevards der neuen Berliner City hallen ließ, wurde das Werk begonnen.