Der Staatssekretär des Außenministeriums der Sowjetzone, Otto Winzer, führte in der vergangenen Woche den in Genf versammelten Journalisten bei einer Pressekonferenz einen leibhaftigen Generalleutnant der Volksarmee vor, der eigens für diesen Auftritt herbeigeschafft worden war und der die üblichen Propagandareden hielt. Was übrigens dazu führte, daß das Direktorium des Pressehauses der ostdeutschen Delegation einen für Schweizer Verhältnisse ungewöhnlich geharnischten Brief schrieb: "Das zwingt uns, Ihnen auf die formellste Weise mitzuteilen, daß Ihnen Ihr Saal entzogen werden wird, wenn Sie in dieser Art fortfahren."

Bei jener Pressekonferenz gab Otto Winzer eine höchst interessante Feststellung zum besten. Er sagte nämlich, der Ribbentrop-Molotow-Pakt von 1939 habe ganz im Interesse des deutschen Volkes gelegen, denn er hätte ja die Voraussetzungen schaffen sollen, um den Frieden mit der Sowjetunion zu erhalten. Die sowjetischen Truppen hätten damals, so meinte er, lediglich weißrussische und westukrainische Gebiete entlang der 1919 festgelegten Curzon-Linie besetzt.

In Warschau wird man sich nicht wenig wundern, daß Vertreter der DDR, die seinerzeit die sogenannte "Friedensgrenze" entlang der Oder und Neiße mit dem Argument anerkannten, Polen müsse für den Verlust seiner Ostgebiete jenseits der Curzon-Linie im Westen entschädigt werden, nun plötzlich feststellen, daß dies von jeher russische Gebiete waren. D