Die "anderen Sieben" wollen zur Gründung einer Vergeltungsorganisation schreiten

Von Jacques Stohler

Anfang Juni sind die Regierungen Großbritanniens, Schwedens, Norwegens, Dänemarks, Österreichs, Portugals und der Schweiz in detaillierte Verhandlungen über die mögliche Gründung einer kleinen Freihandelszone, der sogenannten "anderen Sieben", eingetreten. Der Name "die Sieben" bezieht sich auf die erwähnten Mitgliedländer des Europäischen Wirtschaftsrats (OEEC), die nicht Mitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sind. Bis zur Gründung des Gemeinsamen Marktes haben sich alle 17 OEEC-Länder gegenseitige Kontingentsvorteile in der Einfuhr eingeräumt. Sechs von den siebzehn Ländern sind dann im Alleingang mehrere Schritte weitergegangen – im Ziel bis zum totalen Freihandel –, es blieben also elf Außenseiter übrig. Davon betrachten sich vier (Griechenland, Island, Irland und die Türkei) wirtschaftlich als zu schwach, um sich durch einen Beitritt zur jetzt diskutierten "kleinen Freihandelszone" gegen die Diskriminierung durch die EWG zur Wehr zu setzen; es bleiben die sogenannten "anderen Sieben" übrig.

Keine besonderen Bande

Es handelt sich dabei um eine in jeder Hinsicht heterogene Gruppe, die sich weder durch eine geographische Verbindung noch durch besondere politische, wirtschaftliche oder gefühlsmäßige Beziehungen auszeichnet. Gewisse Ansätze eines gemeinsamen Vorgehens gegen die EWG finden sich jedoch in den unmittelbar vergangenen Jahren. Seit 1954 beschäftigen sich die skandinavischen Länder intensiv mit der Gründung einer "Nordischen Zollunion". Bis jetzt ist der entscheidende Schritt dazu allerdings nicht unternommen worden. Ferner haben sich vor etwas mehr als einem Jahr die Industrie- und Arbeitgeberverbände der "anderen Sechs" – Portugal war noch nicht dabei – in Paris getroffen, um ihre Vorstellungen von einer Freihandelszone zu entwickeln. Unter dem Stichwort "Euromarket" würde damals für die geforderte Freihandelszone ein gemeinsamer Außenzolltarif abgelehnt. Im Projekt einer "kleinen Freihandelszone", das jetzt dem Vernehmen nach von schwedischen Regierungsexperten ausgearbeitet worden ist, ist dieses Prinzip jetzt von den sieben Regierungen mindestens als Diskussionsgrundlage anerkannt worden.

Der "Klub der Sieben" hat nicht annähernd das wirtschaftliche Gewicht der EWG. Die "kleine Freihandelszone" hätte eine Bevölkerung von 88 Mill. Menschen, gegenüber 165 Mill. des Gemeinsamen Marktes. Von den 88 Mill. Menschen sind 50 Mill. Einwohner Englands. Die dominierende Rolle Großbritanniens drückt sich auch im Außenhandel drastisch aus. Der Außenhandel der Sieben umfaßt etwas über zwei Drittel des Außenhandels der EWG; aber Englands Außenhandel ist viel größer als der jedes der anderen sechs Länder im Klub, und sogar größer als der gesamte Außenhandel des Restes der Gruppe. Der Binnenhandel der Sieben entspricht etwas weniger als der Hälfte des EWG-Binnenhandels. Politisch streben die Sieben keine Einheit an. Dies wäre auch schwierig, da Großbritannien, Norwegen, Dänemark und Portugal NATO-Mitglieder sind; die Schweiz, Schweden und Österreich sind neutral. Alle EWG-Länder gehören dagegen der NATO an.

Spannungen schaffen