Obwohl die Deutsche Erdöl AG, Hamburg, ihren Umsatz im Geschäftsjahr 1958 geringfügig auf 525 (518) Mill. DM erhöhen konnte, hat die Ertragskraft des Unternehmens eine fühlbare Einbuße erfahren. Da die Gesellschaft, wie Generaldirektor Dr. Ing. E. h. Günther Schlicht auf einer Bilanzbesprechung ausführte, im Steinkohlenbergbau (Zeche Graf Bismarck) einen Verlust von 8 Mill. DM zu verzeichnen hatte, sei das Geschäftsergebnis vor Abzug der Steuern dadurch um 50 v.H. verkürzt worden. Wenngleich der Mineralölsektor sich günstig entwickelt habe – er war am Gesamtumsatz nunmehr mit 52,6 (48,0) v.H. beteiligt, während 27,8 (31,5) v.H. auf die Steinkohle, 15,8 (17,4) v.H. auf den Brennstoffhandel und 3,8 (3,1) v. H. auf Dienstleistungsbetriebe entfielen –, waren die Preise, vor allem im Heizölgeschäft, gedrückt. Wenn bei einem auf 241,8 (245,2) Mill. DM verminderten Rohüberschuß ein Reingewinn von immerhin 18,20 (17,44) Mill. DM ausgewiesen werden kann, so ist dieser lediglich der Herabsetzung des Körperschaftsteuersatzes sowie steuerlich begründeten Zuschreibungen zum Anlagevermögen zu verdanken. Hieraus wird der HV (23. Juni) wieder eine Dividende von 10 v. H. auf das dividendenberechtigte Aktienkapital von 181,97 Mill. DM vorgeschlagen.

Auf der Zeche Graf Bismarck in Gelsenkirchen entstanden im Berichtsjahr trotz der Einlegung von elf Feierschichten Kohlenhalden von 391 000 t, die inzwischen weiter auf 420 000 t angewachsen sind. Die Kohlenförderung nahm nur um 1 v. H. auf 2 714 000 (2 740 000) t ab. Die Schichtleistung erhöhte sich infolge der neuerrichteten zentralen Förderanlage auf 1 628 (1 569) kg. Durch die Inbetriebnahme des neuen 100 MW-Blockkraftwerkes konnte die Stromerzeugung auf 637 (456) Mill. kWh erhöht werden; entsprechend stieg auch die Stromabgabe. Im laufenden Jahre sind bislang 15 Feierschichten eingelegt worden, so daß mit einem abnehmenden Haldenzuwachs zu rechnen ist. Im Herbst des laufenden Jahres wird der im Frühjahr 1958 in Angriff genommene Kokereineubau in Betrieb genommen werden. Der Absatz der Kokserzeugung ist auf lange Sicht gesichert. Mit einer Entlastung auf der Kohlenseite ist jedoch zunächst nicht zu rechnen.

Mit dem Ergebnis in der Sparte Mineralöl kann die Gesellschaft trotz mancher Einschränkungen zufrieden sein. Die Rohölförderung, die vor allem auf die niedersächsischen Felder entfällt, konnte um 13 v.H. auf 911 000 (806 000) t erhöht werden; der Anteil an der bundesdeutschen Förderung belief sich auf 20,6 (20,4) v. H. Im laufenden Jahre erwartet die Gesellschaft einen Anstieg der Produktion auf 1 Mill. t. Die Aufschlußbohrungen erfuhren eine Intensivierung. 178 000 t des geförderten Rohöls wurden an andere Gesellschaften verkauft. Mit der bisher tiefsten ölfündigen Bohrung in Deutschland (bei Plön) wurde in 2 650 m Teufe ein voraussichtlich ergiebiges Feld erschlossen. In Ostholstein wurde nach Durchstoßung der nordwestdeutschen Salzvorkommen in 4 200 m Tiefe ein interessantes Erdgasvorkommen angetroffen, dessen Auswertung zur Zeit geprüft wird. Der Rohöldurchsatz in den Verarbeitungswerken der Gesellschaft war mit 900 000 t um 15 v.H. größer als im Vorjahr. Hiervon stammten 166 000 (67 000) t aus dem Ausland. Mit der Vollendung des Ausbaus der Raffinerie Heide hat sich deren Kapazität auf 1,5 Mill. t erhöht; sie dürfte im laufenden Jahre bereits zu 80 v.H. ausgenutzt werden. Eine spätere Erweiterung der Raffinerie ist wahrscheinlich. Der Destillatdurchsatz der voll ausgelasteten Hamburger Schmierölraffinerie stieg auf 118 000 (115 000) t. Die DEA wird sich mit 25 v.H. an der Errichtung einer Raffinerie bei Karlsruhe beteiligen. Dieses Verarbeitungswerk, das bei einer Effektivkapazität von zunächst 2 Mill. t im Jahre 200 Mill. DM Kosten verursachen wird, wird das Rohöl durch eine Pipeline vom Mittelmeer beziehen. Mit Nachdruck widmet sich das Unternehmen der Aufschlußtätigkeit im Ausland. Nachdem bisher Konzessionen in Syrien, der Türkei und Peru erworben worden waren, wurde die DEA Oil of Canada Ltd. gegründet. In Lybien wird die Bohrtätigkeit im Jahre 1960 aufge-, nommen werden.

Die Investitionen beliefen sich im Berichtsjahr auf 104,77 (87,05) Mill. DM. Sie werden im laufenden Jahre diese Höhe voraussichtlich nicht wieder erreichen. Die Abschreibungen erhöhten sich auf 50,59 (44,39) Mill. DM. Das Anlagevermögen erhöhte sich auf 314,75 (259,66) Mill. DM: an ihm sind die Steinkohlenbetriebe mit 43 (45) v. H. beteiligt. Die eigenen Mittel haben eine Höhe von 220,90 (214,95) Mill. DM und decken damit 70 (83) v. H. der Anlagewerte. Eine Kapitalerhöhung ist vorerst nicht in Aussicht genommen.

Nach Umtausch der Anfang des Jahres gekündigten Wandelschuldverschreibungen von 18,02 Mill DM hat das Grundkapital jetzt eine Höhe von 199,96 Mill. DM erreicht. Die HV soll über eine Aufrundung des Betrages um 37 600 DM auf 200 Mill. DM beschließen. –ft