hst. Remscheid

Jörn Thiel, Tonmeister des Westdeutschen Rundfunks, hatte ein arbeitsreiches Wochenende. Vierzig Tonbänder mußten abgehört und bewertet werden – dieses Mal nicht in einem der WDR-Studios, sondern in der Musischen Bildungsstätte Remscheid. Dort war die Endausscheidung des "Wettbewerbs für Tonbandfreunde – Ich und das Mikrophon".

Das war ursprünglich eine nordrhein-westfälische Sache gewesen, denn Träger ist die Landesarbeitsgemeinschaft für kulturelle Jugendpflege im Land Nordrhein-Westfalen, unterstützt durch das Ministerium für Arbeit und Soziales Aber am vergangenen Wochenende saßen junge Damen und Herren aus Hamburg und Oberstdorf, Berlin und Stuttgart neben denen aus Köln und Bonn.

Die Ausschreibung im Januar hatte sich irgendwie unter den Tonbandfreunden der Bundesrepublik rundgesprochen. So kamen die Arbeiten bald auch von jenseits der NRW-Landesgrenze. Und auch der Hinweis des Veranstalters, daß nur nordrhein-westfälische Arbeiten einen Preis bekommen könnten, stoppte den Tatendrang der Funkamateure nicht. Sie wollten dabeisein – mit oder ohne Preis. Einer Privatinitiative gelang es dann, auch für "fremdländische" Könner Preise zu erwerben; Die Industrie half.

Aber zunächst mußten eben jene vierzig Tonbänder abgehört werden, und auch eine Zehn-Mann-Jury machte die Aufgabe nicht leichter. Die Jungen hatten sich was einfallen lassen. Da gab es Reportagen ("Das ist Opladen"), Glossen, Parodien, kleine Hörspiele wie einfache tontechnische Experimente. Da hatte ein Neunzehnjähriger ein ganzes Stück Kirchenfunk produziert, frei nach der Manier: "Die Glocken der Franziskanerkirche in W... läuten den Sonntag ein." Die Aufnahme des Te-Deum-Gesangs der Franziskaner war eine beachtliche Leistung; schließlich haben solche halligen Räume schon manchen Tonmeister zur Verzweiflung gebracht.

Ein Tischler aus Hamburg kam mit nichts anderem als zwei Minuten selbstproduzierten Geräuschen an. Er hatte sie mit primitiven Mitteln nach Feierabend in der Werkstatt selbst erzeugt und auf das Band gebracht: Der Vorbeiflug eines Düsenjägers, einen kräftigen Donner, Funk-Signale, den Glockenschlag einer Turmuhr – alles eine saubere technische Leistung. Das erkannte auch die Jury an. Für zwei Minuten simple Geräusche bekam der Dreiundzwanzigjährige den dritten Preis.

Der erste Preis ging nach Oberstdorf. Der siebzehnjährige Oberschüler P. W. Engelmeier bekam ihn für seinen Zehn-Minuten-Sketch: "Pst – wir sind in einem Neubau." Der Schüler hatte sich erst im Dezember ein Tonbandgerät gekauft und damit experimentiert. Als er von dem Wettbewerb hörte, schrieb er das kleine Stück, sprach zwei Stimmen selber aufs Band und schickte es ein.