Das Geschäftsjahr 1958 hat bei der Wasag-Chemie AG, Essen, die vor Jahresfrist recht mäßigen Erwartungen der Verwaltung übertroffen. Die Rückschläge in den ersten Monaten des vorigen Jahres konnte das Unternehmen in der Folgezeit mehr als ausgleichen, so daß die Wasag-Chemie AG für 1958 insgesamt mit einer Zuwachsrate aufwarten kann, die über die Durchschnittssteigerung in der chemischen Industrie hinausgeht. Die Dividende auf das AK von 10 Mill. DM wurde entsprechend auf 12 (10) v. H. erhöht, wobei, wie die Verwaltung mitteilt, auch die Ermäßigung des Körperschaftsteuersatzes auf den ausgeschütteten Gewinn berücksichtigt worden ist. An den Besitz Verhältnissen der Wasag-Chemie AG, deren Kapital zu etwa 80 v. H. den Krupp-Brüdern Berthold von Bohlen und Halbach und Harald von Bohlen und Halbach gehört, hat sich auch nach der Kapitalerhöhung durch Umtausch von Wandelschuldverschreibungen in Aktien nichts geändert. Seit Beginn des laufenden Jahres beträgt das Wasag-Kapital 10,6 Mill. DM; gleichzeitig bestehen noch Wandelschuldverschreibungen über 4,4 Mill. DM. Der Vorstand hält eine weitere Kapitalerhöhung für richtig; sie ist aber noch nicht vorgesehen.

Die Geschäftsausweitung im Berichtsjahre 1958 verdankt der Konzern hauptsächlich den Tochtergesellschaften, die ihren Umsatz z. 7. erheblich vergrößern konnten. Die Wasag allein – die nicht nur Holding, sondern auch Produktionsunternehmen ist – mußte sogar einen leichten Umsatzrückgang in Kauf nehmen. Allerdings spiegelt sich darin mehr eine Besonderheit der Wasag-Werke wider: ein bedeutender Geschäftszweig der Wasag ist die Projektierung und Lieferung kompletter Industrieanlagen unter Verwertung der Produktionserfahrungen des Gesamtunternehmens. Gerade das Projektegeschäft ist besonders starken Schwankungen unterworfen. Im vergangenen Geschäftsjahr haben im engeren Wasag-Bereich die geringen Auslieferungen im Industrieanlagengeschäft die Steigerung des Umsatzes überschattet. Aber die gute Stimmung des Gesamtkonzerns konnte dadurch nicht beeinträchtigt werden. Erstens verspricht gerade das Projektegeschäft im Jahre 1959 nach den bisher vorliegenden sichtbaren Anzeichen erheblich vollere Kassen zu bringen als im Berichtsjahre, und zweitens hat sich der Wasag-Absatz auf anderen Gebieten im vergangenen Geschäftsjahr um so besser entwickelt.

Insgesamt stieg der Konzernumsatz der Wasag-Chemie AG im Geschäftsjahr 1958 um 6,7 v. H. auf 159,1 (149,1) Mill. DM; daran war der Export mit 15,7 (18,9) v. H. beteiligt. Eine Umsatzaufgliederung auf die drei großen Gruppen des Wasag-Geschäftes zeigt das weitere Vordringen des Kunststoffangebotes. Kunststoffe, Zelluloid und Gummierzeugnisse waren am Konzernumsatz 1958 mit 37,6 (36,7) v. H., Sprengstoffe, Zündmittel und Nitrozellulose mit 33,5 (35,4) v. H. und Düngemittel und Chemikalien mit 28,9 (27,7) v. H. beteiligt.

Auf eine geradezu rasante Entwicklung kann, die Wasag-Gruppe im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres zurückblicken. Mit 50,5 (38,4) Mill. DM hat der Konzern in den ersten drei Monaten 1959 eine Umsatzsteigerung von 31,8 v. H. gegenüber dem Berichtsjahr erzielen können. Die Wasag allein, ohne Tochtergesellschaften, hat im gleichen Zeitraum ihren Umsatz sogar um nicht weniger als 48,8 v. H. gesteigert, wobei allerdings das Projektegeschäft, das, wie gesagt, nicht kontinuierlich ist, den Hauptanteil der Steigerungsquote ausmacht. Ohne das Industrieanlagengeschäft liegt der Umsatz des engeren Wasag-Bereiches aber immer noch um 22 v. H. über dem des Berichtsjahres. Inland und Ausland haben beide zu der günstigen Entwicklung im laufenden Jahre beigetragen, aber die Exportbelebung geht weit über den Mehrabsatz im Inland hinaus. Der Wasag-Export konnte insbesondere mit neuentwickelten Sprengstoffen reizvoller gestaltet werden. Diese Entwicklung ist recht beachtlich, zumal sich an der Wettbewerbssituation auf dem Weltmarkt, die schon im Vorjahr unter dem scharfen Druck amerikanischer, englischer und japanischer Angebote stand, nichts geändert hat.

Im Berichtsjahre stand entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung der Ausbau der Tochtergesellschaften im Vordergrund der Bemühungen der Konzernverwaltung. Dabei waren die Rheinische Gummi- und Celluloid-Fabrik, das Anlaufen des Stickstoffwerkes in Krefeld und die Erweiterung der Produktionsanlagen bei der Nitrochemie GmbH die bevorzugten Objekte, die im wesentlichen den Investitionsaufwand des Konzerns in Höhe von 13,5 Mill. DM beansprucht haben. nmn.