In Genf hat die vierte Verhandlungswoche begonnen. Seit die Sitzungen nach Rückkehr der vier Außenminister aus Washington wieder aufgenommen wurden, hat sich die allgemeine Aufmerksamkeit immer stärker auf Berlin konzentriert. Doch bietet bisher die Behandlung auch dieser Teilfrage das gewohnte Bild: Gromyko nennt den von Außenminister Herter vorgetragenen Berlin-Plan "eine Reise in die Vergangenheit", seine westlichen Kollegen wiederum halten die sowjetischen Ausführungen für völlig indiskutabel.

Der britische Außenminister SelwynLloyd sagte angesichts dieser Situation: "Wenn ich davon ausgehe, daß Gromyko unseren Plan für die Wiedervereinigung Berlins nicht annehmen wird, und daß wir seinen Plan für eine sogenannte freie entmilitarisierte Stadt nicht annehmen können, dann ist der vernünftigste Weg zur Behandlung dieser Angelegenheit und die Erzielung eines Fortschritts, die gegenwärtige Lage in Berlin grundsätzlich so zu lassen, wie sie ist, und nur zu sehen, ob wir sie in gewisser Hinsicht verbessern können."

In der gleichen Sitzung versuchte Selwyn Lloyd die Behauptung Gromykos, Westberlin sei eine Speerspitze der NATO, durch die Feststellung zu entkräften, die 10 000 alliierten Soldaten in Berlin seien von 22 russischen Divisionen (etwa 250 000 Mann) in der Zone umgeben: "Das kann wirklich nicht als Bedrohung der sowjetischen Sicherheit bezeichnet werden", meinte er.

Chruschtschow hatte drei Alternativlösungen für Berlin genannt. 1. Rückzug aller westlichen Truppen aus Berlin oder 2. Ablösung der westlichen Truppen durch neutrale Streitkräfte unter Aufsicht der UN oder 3. symbolische Militärkontingente des Westens und des Ostens in Westberlin.

Für die Westmächte sind in bezug auf Berlin zwei Voraussetzungen unabdingbar: der Westen kann seine Garnison in Berlin nicht aufgeben, und er muß eine Zusicherung über die Zufahrtswege haben; die Frage, ob diese von sowjetischen Soldaten oder von Angehörigen der DDR kontrolliert werden, regt niemand mehr sonderlich auf – darüber würde man sich wohl einigen können.

Neben den offiziellen Verhandlungen finden seit Freitag voriger Woche abwechselnd in den Domizilen der vier Außenminister Geheimverhandlungen statt, also Beratungen im kleinsten Kreis, über die die versammelten Journalisten nicht in anschließenden Pressekonferenzen informiert werden. Die Außenminister legen zwar Wert darauf, hin und wieder zu betonen, daß dabei Fortschritte erzielt wurden und Einvernehmen geherrscht habe, aber bisher wußten sie beides bei den ebenfalls täglich stattfindenden offiziellen Sitzungen so geschickt zu verbergen, daß die Außenstehenden nicht viel davon gemerkt haben. Dff