DIE ZEIT

Bruderkuß an der Adria

Nikita Chruschtschows Reise zum kleinsten der sowjetischen Satellitenstaaten hat große Überraschungen bisher nicht gebracht.

Die bösen Engländer

Es gibt erstaunlich viel Leute, die ein Interesse daran haben, das deutsch-englische Verhältnis zu vergiften. Da nützt es gar nichts, daß die deutsche Delegation in Genf immer wieder beteuert, wie unbeirrbar und kompromißlos die Engländer an der Seite ihrer Partner verhandeln.

In Genf geht’s um Berlin

In Genf hat die vierte Verhandlungswoche begonnen. Seit die Sitzungen nach Rückkehr der vier Außenminister aus Washington wieder aufgenommen wurden, hat sich die allgemeine Aufmerksamkeit immer stärker auf Berlin konzentriert.

Auf glattem Parkett

Der Staatssekretär des Außenministeriums der Sowjetzone, Otto Winzer, führte in der vergangenen Woche den in Genf versammelten Journalisten bei einer Pressekonferenz einen leibhaftigen Generalleutnant der Volksarmee vor, der eigens für diesen Auftritt herbeigeschafft worden war und der die üblichen Propagandareden hielt.

Wo steht die SPD?

Was der sozialdemokratische Deutschlandplan mindestens außerhalb Berlins nur mühsam zustande brachte, das hat ein sorgfältig berechneter und offenbar ganz bewußt eingeleiteter Vorstoß des Abgeordneten Karl Mommer unerwarteterweise ausgelöst: eine breite, über die Grenzen der vertraulichen Konventikel und Parteigremien hinübergreifende Diskussion.

Ausgerechnet jetzt!

Da gibt es einige ehemalige Bundesminister, die nicht oder (nach ihrer Meinung) nicht ausreichend versorgt sind. Was tut das Bundeskabinett? Es verabschiedet einen Gesetzentwurf über höhere, früher fällig werdende Ministerpensionen.

ZEITSPIEGEL

Verkehrsverstopfungen sind auf jeden Fall ein Beweis für eine kräftige, expansive Wirtschaft. Man sollte sie deshalb nicht zu tragisch nehmen.

Der Times-Skandal

Kein Artikel hat in England seit Jahren so eingeschlagen, wie der Leitartikel der TIMES. der in der Montagausgabe erschien, und in dem es hieß, der Premierminister habe sich entschlossen, Selwyn Lloyd vom Posten des Außenministers abzuberufen.

Die Parteigelder

Vom Grundgesetz gefordert, von den Schatzmeistern der Parteien gefürchtet, ließ die Geburt des Entwurfs zum Parteiengesetz lange auf sich warten.

Atomstopp – ja oder nein?

Am 8. Juli wird die "Kleine Genfer Konferenz", die einen Vertrag über die Einstellung der Kernwaffenversuche ausarbeiten soll, nach etwa vierwöchiger Pause ihre Beratungen wieder aufnehmen.

Modell Laos

Das kleine Königreich Laos, das für westliche Begriffe ganz am Rande der großen Politik (allerdings wie Tibet an der Grenze Chinas) liegt, ist plötzlich zum Gegenstand hochpolitischer Erörterungen zwischen Neu-Delhi, London und Moskau geworden.

Star-Sorgen

Es ist durchaus nicht so, daß ich etwa alle Autogrammjäger hasse", erklärte uns der amerikanische Filmschauspieler Gary Grant.

"Aus rein kommerziellen Gründen"

Ausgerechnet "Die Wahrheit" heißt ein "Informationsblatt für Westberlin", das die SED zweimal wöchentlich in geringer Auflage für die Funktionäre und Mitglieder ihrer Partei in Westberlin herstellen läßt.

Mit Recht: "Geheim"

Vor vierzehn Tagen war dem für diese Aktion verantwortlichen Beamten der Bundesanwaltschaft der Schreck mächtig in die Glieder gefahren, als er die Presseveröffentlichungen in die Hand bekam, die beim Berliner Innensenator herausgegangen waren.

Rote City

Umzugstrubel: Das Zentralkomitee der SED wechselt hinüber in das ehemalige Reichsbankpalais an der Unterwasserstraße, das zwischen 1934 und 1936 erbaut wurde.

Nordrhein – Westfalen: Die Jagd auf den Ton

Jörn Thiel, Tonmeister des Westdeutschen Rundfunks, hatte ein arbeitsreiches Wochenende. Vierzig Tonbänder mußten abgehört und bewertet werden – dieses Mal nicht in einem der WDR-Studios, sondern in der Musischen Bildungsstätte Remscheid.

Wer rettet uns vor Plattenspielern?

Wenn man einer Wohnung den Plattenspieler von außen ansehen könnte, wäre alles viel einfacher. Man könnte dann immer noch rasch das Weite suchen.

Nicht jeder Universitätslehrer muß Professor sein

Der Münchner Ordinarius für Anglistik, Professor Dr. Wolfgang Clemen, hatte in der letzten Nummer dieser Zeitung über die akute Nachwuchskrise an den deutschen Universitäten gesprochen und dabei die Frage gestellt, wie mehr geeignete Persönlichkeiten für die Besetzung neugeschaffener Lehrstühle gefunden werden könnten.

Barlogs Berliner Bühnen

Weit Herangeholtes auf zwei Spielplänen, die Berlin nicht zur Theater-Provinz werden lassen

Gelächter um einen Kindesmord

Ob es wahr ist, daß Politik den Charakter verdirbt, das sollte man doch höflichkeitshalber in unserer politisch bewegten Zeit lieber nicht untersuchen.

Die Irre von Chaillot

So begeisterten Beifall hat es im Schiller-Theater lange nicht gegeben. Er galt ostentativ vor allem Hexmine Körner, die am Tage vor der Premiere gerade ihr 77.

Gesetzlich geschützter Paukenschlag

Im Schwetzinger Schloßpark war der Flieder diesmal schon abgeblüht. Die Besucher der preziösen Festspiele mußten sich mit dem köstlichen Spargel als kulinarischer Zugabe zur Kunst begnügen.

Dieser Kongreß tanzt nicht

Eine eidgenössische Feuerwehrkapelle spielt im Pavillon am See flotte Märsche, und wie ein weißer Gänsekiel steht die berühmte Fontäne neben dem Pont du Mont-Blanc.

ZEITMOSAIK

Laßt uns ein Europa schaffen, das sowohl sokratisch wie christlich ist, gleichzeitig voll Zweifel und Glauben, voll Freiheit und Ordnung, voll Vielfalt und Einheit – ein Europa, in dem der Staat vor allem unter der beständigen Wachsamkeit der öffentlichen Meinung gezwungen ist, das Individuum zu achten.

Vom Wetter

Eines Tages war es soweit: Die Wissenschaftler erklärten, man könne jetzt Wetter machen. Und auf einem Kongreß gaben sie offiziell die Gebrauchsanweisung bekannt.

Unsere Sprache:: Leichtfertige Unterschätzung des Kommas

Es ist nicht gut, das scheinbar Unscheinbare geflissentlich zu übersehen. Was ist, ist und will leben. Unklug, dem Geringfügigen gar mit Mißachtung zu begegnen; denn alles, was ist, verfügt, wenn auch im Verborgenen, über eigene Lebenskräfte, die auf ihre Chance lauern.

Die Welt hinter den sichtbaren Dingen

Es ist nicht leicht, sich die geistige Unruhe vorzustellen, in der sich das japanische Inselreich heute befindet. Der verlorene Krieg hat einen jahrhundertelangen Glauben an die Unbesiegbarkeit erschüttert.

Die Kunst zu fabulieren

In der Schriftstellerei, welcher Art sie auch sein mag, gehört das Fabulieren zu den elementaren Fähigkeiten: ein schier unablässig dahineilender und drängender Sturzbach von Eindrücken, Bildern, Motiven, Erläuterungen – ein Bach, der ins Tal der beruhigenden Zusammenfassung, Ordnung und Formung strebt.

DEUTSCHE BIBLIOGRAPHIE

Joseph Görres: Gesammelte Schriften, Band 15 – Geistesgeschichtliche und politische Schritten der Münchner Zeit (1828–1838), herausgegeben von Ernst Deuerlein; Verlag J.

Die Katastrophe ist ausgeblieben

An Hand der Erfahrungen, die man in England mit dem Abbau der Mietpreisbindung bisher gemacht hat, ist es unbegreiflich, wie dieses Gesetz über die schrittweise Aufhebung der (aus dem ersten Weltkrieg datierenden) Mieten-Zwangswirtschaft noch im letzten Sommer Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen hat werden können.

Streikparolen zünden nicht mehr

In den letzten Wochen sind in verschiedenen öffentlichen und halböffentlichen Betrieben Frankreichs mit beträchtlichem Stimmaufwand Streiks angekündigt worden, die entweder kurz vorher wieder abgeblasen wurden oder infolge der Uneinigkeit unter den Gewerkschaften nur von einem geringen Teil der Arbeiterschaft befolgt wurden.

Rizzi streicht Flagge

Die Arosa Line Inc., Panama‚ die vor Jahresfrist noch über vier Passagierschiffe mit zusammen nahezu 60 000 BRT in der Fahrt von Bremerhaven nach Kanada beschäftigt hatte, muß nun endgültig die Flagge streichen.

Ein Gralshüter sprach

Die "Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer" (ASU), nunmehr zehn Jahre bestehend, ist mit ihren rund tausend Mitgliedern so klein, daß man sie eigentlich nicht unter die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft einreihen kann.

ZEIT-RAFFER

England will die Einfuhrbeschränkungen für dauerhafte Konsumgüter aus dem Dollarraum aufheben. Die Vorzugsbehandlung der europäischen Länder in der OEEC wird damit auf die USA und Kanada ausgedehnt, das heißt: weitgehend aufgehoben.

Abschied von der Schiene

Das Wettbewerbsproblem "Schiene – Straße" gibt es nicht nur in europäischen Ländern. Auch jenseits des Atlantik verlieren die Eisenbahnen einen immer größeren Teil ihrer Frachteinnahmen an den ständig wachsenden Straßenverkehr.

Teureres Geld für Wallstreet

Trotz der in den letzten Tagen eingetretenen, von den meisten Börsenfachleuten jedoch als vorübergehend erachteten Erholung, liegen die Obligationskurse an der amerikanischen Börse nach wie vor auf dem tiefsten Stand der letzten 25 Jahre.

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