Ein Name ist für den ganzen schwarzen Erdteil längst zum Begriff geworden, der Name des Ministerpräsidenten von Ghana: Kwame Nkrumah. Für die Länder Ost- und Westafrikas, die auf dem Weg zur Unabhängigkeit sind, ist Nkrumah das Symbol der künftigen Freiheit. Seit acht Jahren – so lange ist Nkrumah "Leiter der Regierungsgeschäfte", also praktisch Premierminister der Goldküste (wie Ghana früher hieß) – richten sich die Blicke auf ihn, den Führer des einzigen unabhängigen schwarzen Staates in Afrika. Er war der lebende Beweis dafür, daß die Afrikaner fähig sind, sich selbst zu regieren.

Ein gutaussehender Mann, eben fünfzigjährig, wirkt er mit seiner hohen breiten Stirn und dem strahlenden Lächeln genau so, wie sich die Welt einen afrikanischen Politiker wünscht: unbeschwert, fröhlich, aufgeschlossen und eindrucksvoll. Er verkörpert etwas von jener Sorglosigkeit, die man den Bewohnern der afrikanischen Westküste zuschreibt; – nicht umsonst galt er in jungen Jahren bei seinen Anhängern als Showboy.

Aber hinter der Fassade des Lächelns stehen bei Nkrumah die Sorgen. Der Showboy von einst ist zu einem verantwortungsbeladenen Politiker geworden, der in einem Rolls Royce, eskortiert von motorisierten Polizisten, durch dieselben Straßen fährt, die er einst mit seinen revolutionären Freunden unsicher gemacht hatte. Aus politischen Erwägungen hat er sogar seine Junggesellenfreiheit aufgegeben und eine Ägypterin zur Frau genommen.

Es ist erstaunlich, wie schnell und wie leicht Nkrumah Karriere gemacht hat. Gemessen an den Leiden asiatischer Führer oder dem langsamen Aufstieg mancher europäischer Politiker war für ihn alles ein Kinderspiel. Die plötzlich anschwellende Woge des afrikanischen Nationalismus, die im Handumdrehen die Dämme der Kolonialherrschaft durchbrach, trug ihn im Triumph empor.

Seiner Herkunft nach gehört er zu jener Generation leidenschaftlicher afrikanischer Politiker, die während der dreißiger Jahre in Opposition zu den alten Häuptlingen groß wurden. Kwame war der Sohn eines afrikanischen Goldschmieds und einer jener kleinen Trödlerinnen, die auf den Märkten Zigaretten oder Seifenstücke verkaufen. Er besuchte katholische Schulen und studierte an der einzigen Universität Ghanas in Achimota. Bald wurde er berühmt wegen seiner funkelnden Rhetorik und seiner geschliffenen Argumente.

Die Politik entdeckte er jedoch erst in Amerika. An der Negeruniversität von Lincoln in Pennsylvania studierte er Soziologie. Er arbeitete hart, begann sich ernsthaft für politische Philosophie zu interessieren und geriet unter den Einfluß der linksstehenden Negerführer, auch Paul Robesons. Acht Jahre blieb er in Amerika. Nach dem Kriege ging er nach England und vervollständigte dort seine "antikoloniale" Schulung. Zusammen mit Jomo Kenyata und anderen afrikanischen Führern organisierte er 1945 in Manchester den "Pan-afrikanischen Kongreß". In den Londoner Cafés beschäftigte er sich so ausgiebig mit Plänen für die afrikanische Zukunft, daß er bei seinem juristischen Staatsexamen durchfiel.

Zur Goldküste kehrte er 1947 zurück. Er war von dem konservativen afrikanischen Führer Dr. Danguah eingeladen worden und wollte ihm helfen, seine Partei zu organisieren. Nkrumah verlor keine Zeit und war gleich mittendrin: Als es im Heer zu Unruhen kam – der erste Ausbruch der Nachkriegsunzufriedenheit –, wurde Nkrumah zusammen mit fünf anderen Rädelsführern verbannt.