Es ist nicht gut, das scheinbar Unscheinbare geflissentlich zu übersehen. Was ist, ist und will leben. Unklug, dem Geringfügigen gar mit Mißachtung zu begegnen; denn alles, was ist, verfügt, wenn auch im Verborgenen, über eigene Lebenskräfte, die auf ihre Chance lauern. Klug und gut, gerade dem Unscheinbaren besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden; denn auf die Nuancen kommt es an.

Das Beiläufige macht es. Das Pünktchen auf dem i ist oft gleichsam das Zünglein an der Waage. Wer weiß, wohin es ausschlägt! Das Beiläufige, Beigestrichelte, gibt den Ausschlag. Es entscheidet nicht selten über mein und dein, über dich und mich; sogar über Krieg und Frieden, behauptet Karl Kraus.

Der Großzügige, Selbstgewisse, der Leichtfertige, mit fahriger Geste immer aufs Ganze bedacht, schlägt solche Warnungen natürlich in den Wind. Damit führt er aber, der Tor, das Unheil herauf; denn er reizt die verborgenen Energien des Unscheinbaren.

Diese Leichtfertigkeit zu unterschätzen, ist unklug; aber auch die Leichtfertigkeit zu unterschätzen, ist nicht eben weise.

Akteure wie Zuschauer müssen immer auf der Hut sein. Beide sind unklug, wenn sie die Leichtfertigkeit unterschätzen. Darum muß das Häkchen, das beiläufig Gestrichelte, auch in diesem Satz bedacht werden. Es unterscheidet zwischen Subjekt und Objekt. Welch ein Unterschied!

Zweifellos ist die Leichtfertigkeit ein bedenklicher Zug des Menschen. Sie beachtet das Zünglein nicht, das so oft den Ausschlag gibt.

Allerdings ist auch das Unterschätzen keineswegs eine rühmliche Eigenschaft. Es beachtet zwar die kleinen Dinge, bewertet sie jedoch falsch. Wie gefährlich, wenn wir gar die Leichtfertigkeit unterschätzen, die eigene und vor allem die fremde!