Die Liquidatoren der IG-Farbenindustrie Aktiengesellschaft i. A. sind im vergangenen Jahre ein gutes Stück weitergekommen. Eine Reihe von offenen Fragen wurde endgültig geklärt. So ist das Abkommen mit der jüdischen Weltorganisation (Wollheim-Vergleich) in Kraft getreten; die vereinbarten Beträge wurden bezahlt. Dadurch ist es möglich geworden, die Werte der Chemie-Verwaltungs-AG aus der Haftung freizugeben und die Hüls-Holding-Aktien an die IG-Aktionäre auszuschütten. Im Schiedsverfahren Westdeutsche Handelsbank-AG (früher Länderbank) gegen die IG wurde eine Reihe von Fragen entschieden, andere werden demnächst ihre Erledigung finden. Die Ammoniakwerk Merseburg GmbH hat auf Beschluß einer Gesellschafterversammlung ihren Sitz in das Bundesgebiet verlegt. Das macht die Abführung der Vermögensüberschüsse dieser Gesellschaft an die IG möglich.

Eine der Hauptaufgaben, die die Liquidatoren in den kommenden Monaten beschäftigen werden, ist die Bereinigung der Steüerfragen, die sich außerordentlich schwierig gestalten. Zurückgestellt ist vorläufig die Interventionsklage im Rechtsstreit Interhandel gegen die amerikanische Feindvermögensverwaltung. Hier wurde eine Prozeßposition erreicht, die es den Liquidatoren ermöglicht, vorerst in die Stelle des Beobachters zurückzutreten. Das bedeutet keineswegs einen Verzicht der IG auf Ansprüche gegenüber Interhandel.

Die zum Jahresschluß 1958 vorgelegte Bilanz zeigt eine Verkürzung von 305 Mill. auf 221 Mill. DM. Das ist einmal eine Folge der Zahlungen aus dem Wollheim-Vergleich, vor allem aber wurden aus dem Liquidationserlös 60 Mill. DM auf die Kapitalausstattungsansprüche der Farben-Nachfolger geleistet. Diese haben umgekehrt 25 Mill. DM auf die ihnen bei der Entflechtung auferlegten Steuerleistungen gezahlt. Die Forderungen an die Nachfolgegesellschaften sind auf solche Weise von 173 Mill. auf 85 Mill. DM zurückgegangen.

Die Frage, die die Farben-Nachfolger in gleicher Weise wie die Liqui-Inhaber interessiert, ist, mit welchen weiteren Liquidationserlösen noch gerechnet werden kann. Reichen sie dafür aus, die Ansprüche der Farben-Nachfolger voll zu befriedigen und bleibt gegebenenfalls noch etwas für eine Ausschüttung an die Liqui-Inhaber übrig?

Für das letztere bestehen keine größeren Aussichten. Der vorläufige Abwicklungsübersdiuß beträgt nach der Bilanz 1958 rd. 15 Mill. DM. Dazu müssen die inneren Reserven gerechnet werden, die in der Bilanz stecken. Sie sind in zwei Posten enthalten: in den Beteiligungen, die mit 42.8 Mill. DM recht vorsichtig bewertet sind (die Liquidatoren hoffen, daß sie bei ihrer Verwertung rd. 20 Mill. DM mehr erbringen werden) und in den stillen Reserven, die in den Rückstellungen in einem Betrag von 142 Mill. DM enthalten sind. Rückstellungen werden gebildet, sobald Forderungen an die IG gestellt oder erwartet werden. Sie kommen zum Teil von Privaten, wie z. B. von den Kz-Häftlingen. (Es schweben noch eine Reihe, allerdings für die Häftlinge nicht sehr aussichtsreiche Prozesse), vor allem aber sind noch erhebliche Steuerforderungen zu erwarten. Sobald Forderungen geklärt sind, wird entweder aus den Rückstellungen bezahlt, oder sie werden aufgelöst. Die entsprechenden Beträge erhöhen im Falle der Nichtzahlung den Abwicklungsüberschuß, allerdings nicht der vollen Höhe nach, weil auf die entsprechenden Erlöse 60 v. H. Steuern bezahlt werden müssen.

Alles in allem rechnen die Liquidatoren damit, daß im Laufe der Zeit aus den Rückstellungen noch 22 Mill. DM frei werden. Rechnet man die stillen Reserven, den rechnerischen Abwicklungsüberschuß in Höhe von 15 Mill. DM und die Leistung an die Farbennachfolger zusammen, dann kommt man auf 117 Mill. DM; gegenüber dem vollen Anspruch der Nachfolgegesellschaft auf eine Kapitalausstattung im Betrag von 135 Mill. DM bleibt also eine Differenz. Bei einem günstigen Verlauf der Liquidation verschwindet sie möglicherweise; es ist aber nicht damit zu rechnen, daß darüber hinaus namhafte Beträge übrig bleiben, die für eine Ausschüttung für die Liqui-Inhaber zur Verfügung stehen. Diese sind also, wie dies auch dem Grundgedanken der Entflechtung entspricht, jetzt, nachdem die Aktien für alle Nachfolgegesellschaften ausgeschüttet sind, auf die sog. Hoffnungswerte verwiesen.

Im Grunde geht es hierbei um drei Gruppen, und zwar: