G. Z., Karlsruhe

Die Aktion gegen eine östliche Agentengruppe, die vor allem gegen die CDU in der Bundesrepublik und in Westberlin eingesetzt war, ist jetzt fast abgeschlossen. Das gibt Anlaß zu einem Rückblick.

Vor vierzehn Tagen war dem für diese Aktion verantwortlichen Beamten der Bundesanwaltschaft der Schreck mächtig in die Glieder gefahren, als er die Presseveröffentlichungen in die Hand bekam, die beim Berliner Innensenator herausgegangen waren. An diesem Abend nämlich saß der Beamte bei der Sicherungsgruppe und zog an den Fäden, die er durch einen Überläufer aus einer ostberliner Spionagezentrale in die Hand bekommen hatte.

Sein Netz war gerade ausgeworfen und er hatte es noch gar nicht zugezogen, da platzte die Meldung aus Berlin dazwischen; Verhaftungen in der CDU. Und den Beamten ließ in jener Nacht die Frage nicht in den Schlaf kommen, ob wohl diejenigen, die er noch fangen wollte, die Rundfunkmeldungen von den ersten Verhaftungen gehört hatten oder nicht.

Den Berliner Behörden muß dazu gesagt werden: So sensationshungrig ist die Öffentlichkeit nun wohl auch nicht, daß sie – selbst um den Preis eines gefährdeten Ermittlungsverfahrens – danach lechzte, das Ergebnis einer Verhaftungsaktion brühwarm mitgeteilt zu bekommen.

Es ist gewiß begrüßenswert, wenn Behörden aus ihrer Arbeit kein Geheimnis machen. Doch manchmal ist aber auch Verschwiegenheit am Platze. Bei der Interessenabwägung – berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit an Informationen und Absicht rung einer Aktion der Strafverfolgungsorgane – muß man wohl zu dem Ergebnis kommen: Der Zeitungsleser wird es der Behörde kaum nachtragen, wenn er über ein Unternehmen der Abwehr erst dann unterrichtet wird, wenn alle Fische im Netz sind. Lieber einen Tag später als eine Stunde zu früh.

Erfahrungsgemäß dauert es nämlich einige Zeit, ehe man einen Überblick darüber hat, ob tatsächlich alle ins Netz gegangen sind. Oft genug ist es so, daß die Auswertung der "Beute" des ersten Fischzuges die Ansatzpunkte für den zweiten liefert. Doch wenn durch allzu "aktuelle" Meldungen das Wasser aufgewühlt wird – dann sind natürlich die Fische auf und davon.