Das kleine Königreich Laos, das für westliche Begriffe ganz am Rande der großen Politik (allerdings wie Tibet an der Grenze Chinas) liegt, ist plötzlich zum Gegenstand hochpolitischer Erörterungen zwischen Neu-Delhi, London und Moskau geworden. Nehru hat die Außenminister Englands und der Sowjetunion auf die kritische Lage in Laos aufmerksam gemacht. Selwyn Lloyd und Gromyko werden unter Umständen in Genf die Möglichkeiten zur Beendigung der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und kommunistischen Verbänden in Laos erörtern.

Nur zweimal hat Laos bisher Schlagzeilen in der Weltpresse gemacht. Einmal während des Indochinakrieges, als die Truppen Ho Tschi-Minhs in die nördlichen Provinzen eindrangen und als die Genfer Konferenz von 1954, die den Krieg beendete, beschloß, diese Provinzen unter kommunistische Herrschaft zu stellen. Zum zweitenmal richtete sich die Aufmerksamkeit der Welt auf. Laos, als die kommunistischen Provinzen im Norden und die Zentralregierung im Süden des Landes sich im November 1957 über eine Wiedervereinigung verständigten. Der Preis für die Einheit war die außenpolitische Neutralität und die Anerkennung der kommunistischen Bewegung Pathet Lao als politische Partei. Die kommunistischen Truppen sollten teils entlassen, teils in die königliche Armee übernommen werden.

Daß Laos jetzt zum drittenmal Gegenstand der großen Politik wurde, das ist die Folge jener Auflagen, die das Land bei der Wiedervereinigung übernommen hat. Die Kerntruppen der Kommunisten widersetzten sich der Eingliederung in die königliche Armee, flüchteten jetzt in den Dschungel und kämpfen dort weiter. Da Laos im letzten Sommer die in Genf beschworene Politik der Neutralität aufgab und sich immer stärker an den Westen anlehnte, waren die Kämpfe mit den Kommunisten für Moskau und Rotchina jetzt der willkommene Anlaß, die Wiedereinsetzung der internationalen Überwachungskommission für Laos zu fordern. R. Z.