Was bei einer Hochschulreform nicht vergessen werden sollte (II)

Von Wolfgang Clemen

Der Münchner Ordinarius für Anglistik, Professor Dr. Wolfgang Clemen, hatte in der letzten Nummer dieser Zeitung über die akute Nachwuchskrise an den deutschen Universitäten gesprochen und dabei die Frage gestellt, wie mehr geeignete Persönlichkeiten für die Besetzung neugeschaffener Lehrstühle gefunden werden könnten. An diese Frage schließen seine folgenden Ausführungen an.

Um für die Zukunft die Lage grundsätzlich zu verbessern, müßten eine Reihe von Hindernissen beseitigt werden, die den "Berufsweg" des zukünftigen Professors unnötig erschweren, verlängern und ihn außerdem für viele wenig anziehend erscheinen lassen.

Sowohl das Habilitations- wie das Berufungsalter haben sich gegenüber der Zeit vor dem ersten Weltkrieg um etwa ein Jahrzehnt hinausgeschoben, was nicht nur an der Notwendigkeit der vertieften wissenschaftlichen Spezialisierung liegt. Eine der Ursachen dafür ist beispielsweise die Überlastung der Assistenten – soweit sie Habilitanden sind – mit Verwaltungsarbeit und manchen anderen mit dem Massenbetrieb in den Instituten zusammenhängenden Dingen.

Ein Assistent, der den Tag über Telephongespräche erledigt, Bücherbestellungen bearbeitet, zahlreiche Auskünfte an Studenten erteilt sowie Klausurarbeiten korrigiert, wird zur eigenen wissenschaftlichen Fortbildung und vor allem zur Abfassung seiner Habilitationsschrift viel zuwenig Zeit haben. Er wird diese Dinge, die für sein eigenes Fortkommen im Grunde am wichtigsten sind, von Jahr zu Jahr aufschieben müssen. Eine Zeitspanne zwischen Promotion und Habilitation von sechs und mehr Jahren ist daher häufig, obwohl drei bis vier Jahre die Regel sein sollten.

Solche Verzögerungen können wir uns angesichts unserer Nachwuchssituation einfach nicht mehr leisten. Daraus wäre die Folgerung zu ziehen, daß an allen größeren Instituten die Zahl der Assistenten so weit erhöht und durch Einstellung von sonstigen Hilfskräften so ergänzt wird, daß durch Arbeitsteilung vor allem die Habilitanden weitgehend entlastet werden und einen größeren Teil ihrer Zeit darauf verwenden können, sich ihrer eigenen wissenschaftlichen Fortbildung zu widmen.