Die Arosa Line Inc., Panama‚ die vor Jahresfrist noch über vier Passagierschiffe mit zusammen nahezu 60 000 BRT in der Fahrt von Bremerhaven nach Kanada beschäftigt hatte, muß nun endgültig die Flagge streichen. Nachdem die 20 000 BRT große "Arosa Sky" kurz vor dem finanziellen Zusammenbruch nach Genua verkauft wurde und die 8500 BRT große "Arosa Kulm" in England, sowie die 7000 BRT große "Arosa Star" auf den Bermudas wegen der hohen Schulden der Reederei zur Zwangsversteigerung kam, ist nun auch das Schicksal der in Bremerhaven unter Arrest liegenden 20 000 BRT großen "Arosa Sun" besiegelt. Das Schiff wird unweigerlich am 10. September unter den Hammer kommen.

Der schweizerische Alleinaktionär der Arosa Line Inc., Nicolo Rizzi, der in den Nachkriegsjahren mit dem Vespa-Roller in der Schweiz Millionengeschäfte getätigt hatte, die es ihm ermöglichten, seinem Hobby, der Seeschiffahrt, zu frönen, hat es nicht geschafft, in eine Front mit Reedern wie Onassis und Niarchos aufzurücken. Die Schulden türmen sich zu Bergen. Eine Gläubiger-, versammlung in Bremen, der Rizzi den Vorschlag gemacht hatte, die "Arosa Sun" in Bremerhaven aus dem Arrest zu entlassen, um sie in Charter an angeblich vorhandene Interessenten weiterzugeben und später zu einem möglichst guten Preis frei zu verkaufen, wollte in der Mehrheit von dieser Idee nichts mehr wissen. Sie hatte kein Vertrauen in eine Erklärung des Vorstand der Arosa Line, daß aus einer Vercharterung der "Arosa Sun" pro Jahr rund 1,6 bis 2 Mill. DM zur Befriedigung derGläubigeransprüche herausspringen, die sich auf eine Summe von annähernd 40 Mill. DM belaufen. Wahrscheinlich wird nur noch die schweizerische Hypothekengläubigerin – auf der "Arosa Sun" ruhen etwa 8,3 Mill. DM Hypotheken – mit einer nennenswerten Befriedigung ihrer Ansprüche rechnen können. Die Masse der Gläubiger dürfte leer ausgehen. Schließlich sind auf dem ersten Zwangsversteigerungstermin im April nur 7 Mill. DM für das Schiff geboten worden. Da seinerzeit die 7-Zehntel-Grenze des Schätzwertes von 23 Mill. DM nicht erreicht worden war, wurde der Zuschlag verweigert. Ein solches Limit besteht für den neuen Zwangsversteigerungstermin nicht mehr. Die Marktlage für alte Tonnage ist flau.

Ein hoffnungsvoll gestartetes Unternehmen ist in Trümmer gefallen, weil Rizzi, von zu großem Ehrgeiz erfüllt, seine Geschäftspolitik nicht, wie es erforderlich gewesen wäre, auf Konsolidierung, sondern auf Expansion gerichtet hat. Sml.