SED Parteiburg im historischen Viertel von Berlin

O. T., Berlin

Umzugstrubel: Das Zentralkomitee der SED wechselt hinüber in das ehemalige Reichsbankpalais an der Unterwasserstraße, das zwischen 1934 und 1936 erbaut wurde. Das zonale Finanzministerium, das dieses große Prunkgebäude schon im Frühjahr räumte, um es der SED als neuen repräsentativen Sitz zu überlassen, ist in das ehemalige Reichsluftfahrtministerium Görings in der Leipziger Straße gezogen. Der große Bankpalast, den außer den vielen auf Herz und Nieren geprüften Handwerkern niemand zur gegenwärtigen Stunde betreten darf, erhält linnerarchitektonische Veränderungen.

Und doch wird das große zukünftige Parteihaus erst geplant. Es soll ebenfalls im historischen Viertel von Berlin, und zwar im Lustgarten, der heute Marx-Engels-Platz heißt, gebaut werden. Dieses "Marx-Engels-Haus", wie es in den Entwürfen genannt wird, soll ein Turmgebäude mit breiten, auslaufenden Grundbauten werden: Herzstück der kommenden "Roten City". Im Ideenvettbewerb, an dem mitteldeutsche und Ostblock-Architekten aus verschiedenen Ländern teilnahmen, haben sich drei Vorstellungen und Meinungen über die Standortwahl gebildet, über die jetzt die Parteispitzen der Sowjetzone zu entscheiden haben. Bei der Diskussion der architektonischen Möglichkeiten geht ein Vorschlag dahin, das Turmhaus in die Marstallecke zu setzen, wo es bis zum Alexanderplatz sichtbar wäre, jedoch vom Brandenburger Tor aus nicht mehr im Blick läge. Noch ein weiterer Entwurf existiert, nach welchem das gigantische rote Parteihochhaus in der neuen Grünanlage vor dem alten Berliner Rathaus zu errichten wäre, von wo es gleicherweise bis zum "Alex" hin beherrschend sein würde. Dafür wäre es allerdings von diesem Standort aus nicht mehr Unter den Linden im Blickfang.

Ein dritter Plan, der als die optimale Lösung angepriesen wird, will den roten Mammutbau an der Stelle des jetzigen Berliner Doms – mit Basisbauten bis über die Spree – errichtet sehen. Hier würde er, wie es heißt, vom Brandenburger Tor und auch vom Alexanderplatz der eindrucksvollste Zentralpunkt werden.

Es ist sicher, daß die Inangriffnahme dieses bauwerklichen Leviathans Tausende von Baufacharbeitern auf Kosten des ohnehin kläglichen Ostberliner Wohnungsbaus beschäftigen würde.