Eines Tages war es soweit: Die Wissenschaftler erklärten, man könne jetzt Wetter machen. Und auf einem Kongreß gaben sie offiziell die Gebrauchsanweisung bekannt. Zwei Tage stand die Sensation in allen Zeitungen. Ein Professor erhielt einen Orden, sein Assistent eine Gehaltserhöhung, und in einer langen Regierungsdebatte wurde beschlossen, mit dem Wettermachen sofort zu beginnen.

Eine Planstelle als Wettermacher wurde ausgeschrieben, und weil sich um sie am Orte des Wetterherstellungszentrums ein zäher und harter Kampf entwickelte, in dem alle bisher unbestallten Freunde, Verwandte und Kegelbrüder namhafter Persönlichkeiten auf Chancen hofften, ließ man kurzerhand von weither einen Unbekannten kommen.

Der machte zunächst etwas, was keiner der abgewiesenen Bewerber erwartet hatte: Er regelte das Wetter nach eigenem Gutdünken und mit unbeeinflußt gesundem Menschenverstand. Die Reklamationen hielten sich demnach in Grenzen.

Bald aber – als sich herumgesprochen hatte, daß er noch Junggeselle sei – mehrten sich die Einladungen zu verfänglichen Tees und Kaffees und Cocktails und Bowlen, und er wurde so lange das unschuldige Opfer wilder Gerüchte über gewünschte, vorhandene und mißlungene Verhältnisse mit Töchtern des Landes, bis er sich entschloß, die Ehe diesem Martyrium vorzuziehen.

Damit nahm das Wettermachen eine neue Wendung. Denn wenn er bisher Sonne und Regen allein verteilt hatte, nahmen jetzt seine Frau, sein Schwiegervater und dessen Freund Knoll lebhaften Anteil. Sie kauften Weingärten und verordneten einen warmen, trockenen Sommer. Sie kauften Kartoffeln im Ausland und verordneten eine einheimische Mißernte. Und dem Wettermacher blieb nichts, als sich ihren Wünschen zu beugen, um häuslichen Gewittern zu entgehen.

Nun brechen dem Sprichwort nach solche Krüge ja immer. Es kam, wie vorherzusehen. Es gab Beschwerden, und auf irgendwelche Art müssen einige davon sogar in die richtigen Kanäle gerieselt sein. Jedenfalls wurde der Wettermacher, kurz nachdem er einem der maßgebenden Herren leichtsinnigerweise die Erdbeeren hatte verhageln lassen, gekündigt. Und er ging in seine Heimat zurück und lebte von den Ersparnissen seiner Frau aus dem Wein- und dem Kartoffelgeschäft, und er lebte gut und lange davon.

Seine Stelle wurde nicht wieder besetzt. Es gab zwar einen Gehilfen, der das Wettermachen gegen Stundenlohn übernahm. Aber die Sorge, welches Wetter gemacht werde, trug von da an die Allgemeinheit.