Lateinamerika entwickelt sich und seine wirtschaftlichen Organisationen – Größere Räume werden geplant

In Panama ist vor kurzem die Konferenz des UN-Wirtschaftsrats für Lateinamerika zu Ende gegangen. Sie stand im Zeichen der Bemühungen, gemeinsame Märkte oder Freihandelszonen in diesem Teil der überseeischen Welt zu verwirklichen. Sehr weit gediehen sind diese Bestrebungen nicht. Dennoch sind zahllose Organisationen bereits damit beschäftigt, Lateinamerika zu "entwickeln". Allen voran übt der Internationale Währungsfonds eine strenge Aufsicht aus.

Buenos Aires Anfang Juni

Seit der Konferenz von Buenos Aires, die vor anderthalb Jahren stattfand, haben die Vereinigten Staaten in ihren Beziehungen zu Lateinamerika politische Diskussionen nach Möglichkeit vermieden und sich auf die wirtschaftliche Erschließung konzentriert. Dabei arbeiten die Experten des Punkt-Vier-Programms eng zusammen mit dem technischen Dienstder Organisation Amerikanischer Staaten, den Sachverständigen der Export-Importbank, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und mit dem Wirtschaftsrat der UNO für Lateinamerika (ECLA).

Zu diesen permanenten treten noch besondere Organisationen wie das "Komitee der 21", das unter anderem die Statuten einer interamerikanischen Entwicklungsbank ausarbeitete. Die bürokratische Überorganisation hebt jedoch immer mehr lateinamerikanische Funktionäre über ihre nationalen Perspektiven und Traditionen hinaus.

Der interamerikanischen Bank hatten sich die USA lange mit der Erklärung widersetzt, daß Lateinamerika bei einer richtigen Wirtschaftspolitik genügend Privatkapital zur Verfügung stehe. Aber tatsächlich sanken 1958 die US-Privatinvestitionen in allen zwanzig Ländern von 1104 im Vorjahr auf 411 Mill. Dollar. Trotz des besseren politischen Klimas wirkten einige sehr sichtbare Mängel abschreckend; vor allem die ungenügenden Ausgaben für die Infra-Struktur – die der privaten Industrialisierung vorausgehen müssen – die Währungsunsicherheit und das Defizit der meisten Zahlungsbilanzen, schließlich auch die schlechte Organisation eines Marktes, auf dem weniger als 200 Mill. Verbraucher sich auf zwanzig Zollgebiete verteilen.

Zur Beseitigung dieser Mängel wurden große öffentliche Mittel eingesetzt. Die Regierungskredite der USA an Lateinamerika stiegen 1958 auf 468 Mill. Dollar gegen 300 im Vorjahr, die Exportimportbank sagte neue Kredite im Betrag von 477 Millionen für Lateinamerika zu, und auch die Weltbank und die International Finance Corporation wollen (nach der Erhöhung ihres Kapitals) Lateinamerika bevorzugen. Das Kapital von eher Milliarde Dollar, mit dem die interamerikanische Bank ausgestattet wird, und das in drei Jahren etwa zur Hälfte eingezahlt werden soll, fällt daher weniger ins Gewicht, als die Auswahl der Objekte, die schließlich getroffen werden wird. Die lateinamerikanischen Länder, die 55 v. H. des Kapitals übernehmen, zahlen die Hälfte davon in Landeswährung und erhalten aus einem besonderen Fonds (von 10 v. H. des Kapitals) auch Darlehen in Weichwährung.