Auf der Pressekonferenz der Rheinisch-Westfälischen Börse zu Düsseldorf – anläßlich der Vorlage eines Drei-Jahres-Berichtes – hatte der Präsident, Bankier Kurt Forberg, eine Diskussion über die aktuellen Vorgänge an den westdeutschen Börsen zunächst abgelehnt. Die "Prophetenabteilung sei geschlossen", hieß es, aber dann ergab sich doch eine ausführliche Stellungnahme zu der Kursbewegung an den Aktienmärkten.

Die jüngste Entwicklung im Wertpapiergeschäft bereite auch den Börsen große Sorgen, und es sei erwünscht und notwendig – so betonte Bankier Forberg –, daß die hektischen Kurssprünge in ein ruhigeres Fahrwasser gelangen würden. Kurssteigerungen um 15 bis 20 Punkte an einem Tage seien ein absolutes Unikum in der Geschichte der deutschen Wertpapierbörsen. Hier müsse – gerade auch im Hinblick auf die gesellschaftspolitischen Ziele einer breiteren Streuung des Eigentums – Abhilfe geschaffen werden, und zwar über eine Vergrößerung des Aktienangebotes.

Der Aktienmarkt ist in der Tat sehr klein geworden. Nach einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes befanden sich Ende 1958 nur noch 20,8 v. H. des gesamten Kapitals der deutschen Aktiengesellschaften in sogenanntem Streubesitz Der Anteil ist von 24 v. H. im Jahre 1956 kontinuierlich zurückgegangen. Wenn dazu noch berücksichtigt wird, daß auch vom Streubesitz nur ein Teil überhaupt auf dem Markt erscheint, dann erhält die Forderung nach einer Vergrößerung des Aktienangebotes besonderes Gewicht.

Nach den Schätzungen der Düsseldorfer Börse bleiben die Anlagemöglichkeiten 1959 weit hinter der Nachfrage zurück – eine Schere, die sich nicht zugunsten stabiler Kurse öffnet. An Dividendenausschüttungen werden 1,4 bis 1,5 Mrd. DM erwartet. Diesem Betrag – der in der Regel als weiter anlagesuchendes Kapital gilt – stehen bloß 0,1 bis 1,0 Mrd. DM für geschätzte Aktien-Neuemissionen gegenüber.

Bankier Forberg sagte, daß man die Überbrückung dieser Lücke nicht sich selber (das heißt: ständig steigenden Kursen) überlassen sollte. Allerdings gab er zu, daß andere Möglichkeiten ohne die aktive Schützenhilfe des Gesetzgebers sehr beschränkt sind.

Was kann also getan werden, um die rasante Kursentwicklung durch eine Vergrößerung des Aktienangebotes zu bremsen? Die Reprivatisierung wirke in dieser Beziehung nur als ein Tropfen auf den heißen Stein. Selbst große Konzerne wie die VIAG oder das Volkswagenwerk würden nicht allzuviel ausrichten können.

Der Präsident der Düsseldorfer Börse gab zu bedenken, daß diese Größenordnungen vor allem im Verhältnis zu einem Spareinlagenzuwachs von 5 Mrd. DM jährlich gesehen werden müßten. Dagegen fallen die möglicherweise aus dem Bundesvermögen auf den privaten Aktienmarkt zu übertragenden Beträge zweifelsohne nicht sehr ins Gewicht. Auch die Aufgabe der oft kritisierten Zurückhaltung der Aktiengesellschaften bei Kapitalerhöhungen verspricht solange keine Entlastung auf dem Aktienmarkt, als die Voraussetzungen für eine langfristige Verschuldung eines Unternehmens günstiger bleiben als die Finanzierung über das Aktienkapital. Die Kapitalerhöhung sei zu teuer.