Mit einer auf 7 (8) v. H. gekürzten Dividende muß die Rheinpreußen AG für Bergbau und Chemie, Homberg/Niederrhein, die immerhin zu den Spitzenreitern des Ruhrbergbaues zählt, die Entwicklung auf dem westdeutschen Kohlenmarkt im vergangenen Jahr quittieren. Zwar ist dieses Unternehmen nicht ausschließlich im Bergbau engagiert, aber im Geschäftsjahr 1958 haben weder die chemische Erzeugung noch die Stromwirtschaft – und auch nicht das Heizölgeschäft – die trüben Ereignisse bei der Kohle ausgleichen können. Der für die – gesenkte – Dividende erforderliche Betrag von 6,8 Mill. DM konnte sogar nur durch eine Entnahme aus der "Freien Rücklage" in Höhe von 3 Mill. DM erzielt werden. Es unterstreicht die schwierige Situation des Ruhrbergbaues insgesamt, wenn schon ein weit über dem Durchschnitt liegendes Unternehmen wie Rheinpreußen zu solchen Manipulationen greifen muß. Im vorigen Jahr betrug der Bilanzgewinn, der für 1958 mit 3,6 Mill. DM ausgewiesen wird, noch 8,7 Mill. DM. Noch krasser tritt die Ertragsverschlechterung in Erscheinung, wenn der Überschuß vor Ertragssteuern verglichen wird: diese Position ist von 21,2 Mill. DM im Jahre 1957 auf 5,4 Mill. DM gefallen. Die Aufwendungen für Ertragssteuern fielen also von 12,7 auf 1,9 Millionen DM.

Maßgebend für das Auseinanderklaffen der Erlöskostenschere waren vor allem die bekannten Vorgänge auf dem Kohlenmarkt. Der Geschäftsbericht weist darauf hin, daß sich neben der durch die Feierschichten hervorgerufenen Kosten Progression auch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Absatzkrise bei der Kohle – wie z.B. Preisermäßigungen im Exportgeschäft, Mengen- und Gleichmäßigkeitsprämien im Inland – stark erlösmindernd ausgewirkt hätten. Die in einer Pressekonferenz gegebenen Erläuterungen des Vorstandes gingen weit über den Jahresabschluß hinaus; sie vermittelten einen guten Einblick in das vom Markt entscheidend beeinflußte Betriebsgeschehen bei der Kohle, der keineswegs bei allen Zechengesellschaften in dieser Form ermöglicht wird.

Rheinpreußen mußte im Berichtsjahr 16 Feierschichten einlegen, davon allein 13 in den Monaten September bis Dezember. Die Kosten für eine Feierschicht wurden mit 17 bis 30 DM/t Förderung angegeben. Dabei dürfte sich allerdings diese Gesellschaft mehr an der unteren Grenze bewegen. Trotzdem mußten bis zum Ende des Berichtsjahres noch 379 000 t Kohle und Koks auf die Halde genommen werden. Als ersten Erfolg zahlreicher Maßnahmen der Betriebsanpassung an die Absatzlage kann Rheinpreußen verbuchen, daß die weitere Aufhaidung bereits im November vorigen Jahres zum Stillstand gekommen ist. Wie begrenzt indessen die kurzfristigen Anpassungsmöglichkeiten in den Kohlenabsatz sind, zeigen die Produktionszahlen der Rheinpreußen-Schächte.

Die im Jahre 1957 eingeleiteten Maßnahmen zur Rationalisierung und Kapazitätsverbesserung – die damals noch der Markt erforderte! – haben sich im Berichtsjahre, und nunmehr nicht mehr zur reinen Freude des Unternehmens, ausgewirkt. Mit 4,99 (5,05) Mill. t – d. s. 4,1 v. H. der Ruhrförderung – blieb die Gesamtleistung trotz der Feierschichten nur unerheblich hinter dem Vorjahrsergebnis zurück. Die Tagesförderung ist um 5,1 v. H. auf 18 239 (17 350) t geklettert. Auch auf dem Wege zur Mechanisierung unter Tage konnte Rheinpreußen ein gutes Stück vorankommen. Bis zum Ende des Berichtsjahres wurden auf den Rheinpreußen-Schachtanlagen 82 (74) v.H. der Förderung in teil- und vollmechanisierten Betrieben gewonnen. Die Schichtleistung ist auf 1999 (1982) kg gestiegen. Sie liegt nach wie vor erheblich über dem Ruhrdurchschnitt von 1675 kg; aber deutlicher wird der Vorsprang Rheinpreußens, wenn die zum Auslaufen bestimmte Zeche Neumühl ausgeklammert wird. Dann ergab sich nämlich in 1958 ein Leistungsanstieg je Mann und Schicht auf den Pattbergschächten von 8,3 v. H. auf 3188 (2945) kg! Im so bemerkenswerter ist die Aussage, daß selbst hier die Kostenentlastungen wegen der anderen Kostensteigeringen nicht ins Gewicht fielen.

Der Umsatz der Rheinpreußen AG erhöhte sich auf 3i7,4 (352,4) Mill. DM. Davon entfielen auf die chemischen Erzeugnisse 33 (29,4) Mill. DM. Die Chemie des Unternehmens habe sich in allen Sparten gut entwickelt, wurde in der Pressekonferenz betont. Jedoch hielt wegen eines anhaltenden Preisdruckes die Umsatzsteigerung der chemischen Betriebe mit dem um 37 v. H. erhöhten Produktionsausstoß nicht Schritt. Auf die Zechen einschließlich Kraftwerke entfällt dann ein Umsatz von 324,4 (323) Mill. DM, der aber tatsächlich geringer zu veranschlagen ist, weil ein bereits durch die Ruhrkohlenverkaufsgesellschaft Geitling finanzierter Teil der Haldenbestände darin enthalten ist.

Der vielbeachtete Beitrag der Rheinpreußen AG zur Sanierung des Ruhrbergbaues ist der Entschluß des Vorstandes, die Grenzzeche Neumühl (Organtochter) auf "Auslaufen umzustellen". "Neumühl hat uns im vergangenen Jahr sehr wenig Freude, dafür aber um so mehr Belastungen gebracht", erläuterte das Vorstandsmitglied Wolfgang Curtius diesen Schritt der Rheinpreußen-Verwaltung. Wie hoch der Zuschuß im vergangenen Geschäftsjahr gewesen ist, bleibt auf Grund der Organschaftsabrechnung mit der Bergbau und Industrie AG Neumühl im Dunkeln, aber die geschätzte Zahl, daß Neumühl mit einem Verlust von 20/t forden, blieb unwidersprochen.

Das Auslaufprojekt Neumühl unterstreicht die Bemühungen dieser Zechengesellschaft, alle kostensenkenden Möglichkeiten zu intensivieren. Der Vorstand rechnet noch "auf Jahre hinaus" mit einem niedrigen Frachtenstand, d. h. also mit billiger Überseekonkurrenz auf dem Kohlenmarkt. Das Vorstandsmitglied Wilhelm Reuter erklärte sogar, daß alle Schachtanlagen, auf denen die Schichtleistung unter 1,5 bis 1,6 t liege, auf die Dauer "nicht mehr zurechtkommen, wenn nicht etwas anderes eintrete". Deswegen legt auch Rheinpreußen bei seinen Investitionen, die im Berichtsjahre mit 31 (52,3) Mill. DM spürbar verringert worden waren, den Schwerpunkt auf solche Projekte, die sich möglichst schnell kostensenkend auswirken.