Ein erschreckendes Bild von der algerischen Flüchtlingsnot gibt ein Bericht, der jetzt in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht worden ist. Auf rund zehn Millionen schätzt man die Einwohnerzahl Algeriens. Jeder zehnte von ihnen hat Heim und Existenz verloren – eine Million Menschen also sind "Vertriebene". Offiziell gelten allerdings nur diejenigen als Flüchtlinge, die ihr Land verlassen haben. Tunesien beherbergt davon etwa 120 000, Marokko rund 100 000.

Unter diesen Algeriern, die in die Nachbarländer ausgewichen sind, ist die Not unvorstellbar. Die meisten nächtigen unter freiem Himmel. Es fehlt an allem – an Unterkünften, Decken, Kleidern, Medikamenten und an Lebensmitteln. Die Tagesration liegt unter 900 Kalorien. Etwa 50 Prozent der Flüchtlinge sind Kinder unter 14 Jahren, sehr viele von ihnen sind krank.

Sowenig wie Österreich 1956 den ungarischen Flüchtlingsstrom bewältigen konnte, sowenig sind jetzt auch Marokko und Tunesien imstande, die Flüchtlingsmassen allein unterzubringen und zu verpflegen. Die Liga der Rot-Kreuz-Gesellschaften und der Hochkommissar der UN haben die Regierungen um Hilfe gebeten. Die Vereinigten Staaten liefern monatlich 1200 Tonnen Weizen, die Schweiz, die Vereinigte Arabische Republik, die Tschechoslowakei, Bulgarien und die Sowjetzone spenden Lebensmittel und Geld... R. Z.