Die Bewohner im Süden der Halbinsel Jütland können sich ihr Programm aussuchen: mäßig oder schlecht

H. W., Flensburg

In einer Apenrader Zeitung erschien kürzlich eine Anzeige der örtlichen dänischen Gewerkschaftsleitung, in der zur Generalversammlung eingeladen wurde. Diese Versammlung fiel just auf den Tag, an dem das Deutsche Fernsehen die letzte Folge des sechsteiligen Fernsehfilms "Soweit die Füße tragen" ausstrahlte. Die dänischen Gewerkschaftler kündigten an, daß man allen Teilnehmern der Versammlung die Gelegenheit geben wolle, diesen Film anzusehen. Mit der eigentlichen Tagesordnung werde erst nach dem Ende des Fernsehfilms begonnen.

Die Gewerkschaftler von Apenrade sind nicht die einzigen, die es mit diesem Trick versuchten. Andere Organisationen im dänischen Grenzland sind auch schon dazu übergegangen, in ihren Versammlungslokalen Fernsehgeräte aufzustellen und Empfang und Versammlung miteinander zu verbinden.

Umschalten auf Kanal vier

Die Bewohner der dänischen Grenzgebiete auf der Halbinsel Jütland können zwischen zwei Fernsehprogrammen wählen: dem dänischen auf dem Kanal sieben des Senders Rangstrup bei Apenrade, der seinerseits wieder weit nach Schleswig-Holstein hineinstrahlt, oder dem deutschen auf dem Kanal vier des erst vor anderthalb Jahren in Betrieb genommenen Fernsehsenders Flensburg.

Wenn abends um 20.15 Uhr das dänische Fernsehen seine Aktualitäten gesendet hat – sie entsprechen etwa der deutschen Tagesschau –, dann schalten in der Regel rund 90 Prozent aller Fernsehteilnehmer im dänischen Grenzland auf den Kanal vier um. Für den Rest des Abends sind ihre Empfänger auf das deutsche Programm eingestellt. Auch dann, wenn der’stolze Besitzer eines solchen Gerätes die deutsche Sprache überhaupt nicht oder kaum versteht. Warum? – Ein-bissiger Kritiker des vom Kopenhagener Staatsrundfunk ausgestrahlten dänischer Fernsehprogramms formulierte die Begründung so: Ein Programm, das man nicht versteht, das aber vom Optischen her interessant ist, sieht man immer noch lieber als eines, das man zwar versteht, das aber vom Optischen und vom Inhalt her uninteressant ist.