Die Rudolph Karstadt AG, Essen, läßt ihre Aktionäre nicht nur durch die ansehnliche Dividende von 12 v. H. plus 3 v. H. Bonus – also praktisch 15 (12) v. H. – auf das Aktienkapital von 84 Mill. DM an dem wieder ausgezeichneten Jahresabschluß teilnehmen. Die Hauptversammlung wird darüber hinaus gebeten, eine Kapitalerhöhung um 16 Mill. DM mit Dividendenberechtigung ab 1. Januar 1959 zu genehmigen. Die neuen Aktien sollen in Höhe von 14 Mill. DM den alten Aktionären im Verhältnis 6 : 1 zu 100 v. H. angeboten werden, während die Spitze von 2 Mill. DM an der Börse "bestmöglich verwertet" werden soll.

In einer Bilanzbesprechung mit der Presse bezeichnete das Vorstandsmitglied Max Hoseit die Kapitalerhöhung zu pari als "Liebesdienst an die Aktionäre der auch als gewisser Ausgleich für die möglicherweise fehlgehenden Erwartungen auf Gratisaktien anzusehen ist. So fahren also die Karstadt-Aktionäre mit ihrer recht ansehnlichen Dividende im Zusammenhang mit dem Bezugsrecht für die jungen Aktien wirklich nicht schlecht. Aber die Verwaltung plant noch ein übriges: sie wird sich von der Hauptversammlung ein genehmigtes Kapital in Höhe von 20 Millionen DM schaffen lassen, für das der Vorstand ermächtigt werden soll, "den Zeitpunkt, das Ausmaß und alle sonstigen Bedingungen mit der Verpflichtung zu bestimmen, die neuen Aktien über ein Bankenkonsortium den alten Aktionären anzubieten". "Wir haben keine dunklen Absichten damit; das genehmigte Kapital soll nur Zugunsten unserer Aktionäre verwendet werden."

Diese Erklärung ist sogar einleuchtend; denn aus finanzierungstechnischen Gründen wäre eine Kapitalerhöhung bei Karstadt nicht erforderlich, zumal gleichzeitig sogar noch ein weiterer Abschnitt der hypothekarisch gesicherten Anleihe in Höhe von 30 Mill. DM (mit 5 v. H. Verzinsung zu 97,5) im laufenden Jahr aufgelegt werden soll, die zusammen mit den Abschreibungen völlig ausreichen wird, die anstehenden Investitionen zu finanzieren. Es kann hier also wirklich von einem "Liebesdienst für die Aktionäre" gesprochen werden. Wie aus den Äußerungen des Vorstandes auf der Pressekonferenz hervorging, scheut sich das Unternehmen als Warenhauskonzern begreiflicherweise schon aus optischen Gründen, eine höhere Dividende zu zahlen, um sich nicht von irgendeiner Seite dem Vorwurf "zu guter Verdienstspannen" auszusetzen.

Im Falle der Rudolph Karstadt AG träfe die Feststellung, daß die Verdienstspanne gut sei, aber auch zu. Im vergangenen Geschäftsjahr hat die Gruppe ein Ergebnis erwirtschaftet, das gegenüber dem Vorjahr zwar bei erhöhtem Umsatz gleichgeblieben ist; aber "wir bezeichnen, es als gut", kommentierte der Vorstand das Zahlenwerk, das im übrigen in bestechender Freimütigkeit vor der Presse erläutert. wurde. Dem um 10,6 v. H. auf 1,2 (1,1) Mrd. DM gestiegenen Umsatz stehe, wie der Vorstand, berichtete, eine verringerte Gewinnspanne gegenüber, so daß das Unternehmen nicht mehr verdient habe als im Vorjahre; die Spanne sei aber "gewollt" gesenkt worden. Der Handelsnutzen läge heute trotz höherer Umsatzsteuer weit niedriger als vor dem Kriege, wurde in Essen betont, jedoch reiche er aus, um Zufriedenheit im Hause der Karstadt-Verwaltung zu erzielen. "Warum können wir heute bei verringerter Spanne gut verdienen?", lautet die selbstgestellte und beantwortete Frage des Vorstandes. Einmal liegt der Warenumschlag, mit sechs- bis siebenmal im Jahr nicht nur über der Vorkriegsleistung – als Karstadt’sein Lager im Höchstfalle viermal umschlug –, sondern auch nicht unbeträchtlich über dem internationalen Niveau bei vergleichbaren Warenhausunternehmen. Hier ist es also einmal richtig zu sagen, die "Masse macht es". Aber entscheidend für die günstige Situation der Karstadtunternehmen sind echte Rationalisierungserfolge, die darin bestehen, daß der Umsatz je qm Verkaufsfläche fast verdreifacht werden konnte. Vor dem Kriege wurden auf 1000 qm (heutige Preise zugrunde gelegt) bei sehr großzügiger Rechnung 2 Mill. DM umgesetzt. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es 5,8 Mill. DM, in 19575 noch 5,5 Mill. DM. Nmn.