J. K., Paris, im Juni

Die Verflechtung zwischen den westdeutschen und französischen Wertpapierbörsen wird in den nächsten Wochen erhebliche Fortschritte machen. Nachdem sich Anfang dieses Jahres die Einführung der Bayer-Aktien auf dem Pariser Terminmarkt als guter Erfolg erwiesen hat, werden in den nächsten Wochen drei weitere westdeutsche führende Wertpapiere aus dem Vorzimmer der Pariser Börse (der Kulisse, wo sie seit einiger Zeit gehandelt werden), in das "Allerheiligste", nämlich den Terminmarkt, eingeführt werden.

Auch dieser Terminmarkt hat verschiedene Abteilungen. Mannesmann wird auf dem sogenannten "Parkett" eingeführt werden, wo die bedeutendsten französischen und internationalen Werte gehandelt werden. Die Aktien von Siemens und AEG werden dagegen bei den "Courtiers" – ebenfalls auf dem Terminmarkt – gehandelt werden. In diesen westdeutschen Werten war seit Jahresbeginn bereits ein sehr reges Kulissen-Geschäft im Gange. Die Kurse der in der Kulisse gehandelten Wertschriften werden offiziell notiert, so daß die Einführung auf dem Terminmarkt praktisch nur einen bereits bestehenden Tatbestand bestätigt und einer "Beförderung" der Wertpapiere auf dem Pariser Börsenplatz gleichkommt. Daneben aber erweitert sich der Markt für diese Werte mit ihrer Einführung auf dem Terminmarkt natürlich beträchtlich, da weite Teile des französischen Börsenpublikums nicht gewöhnt sind, Papiere, die nur in der Kulisse gehandelt werden, zu kaufen. Trotzdem fand bereits ein reger Handel mit diesen Papieren statt, und es darf vermutet werden, daß Banken und Anlagefonds, die auf dem Pariser Platz operieren, sich bedeutende Pakete für den Tag "X" der offiziellen Einführung auf dem Terminmarkt gesichert haben.

Der Fächer der westdeutschen Industriebranchen, deren Werte in Paris notiert werden, erfährt dadurch eine allgemein gewünschte Erweiterung. Dem französischen Börsenpublikum werden nach erfolgter Einführung ein Papier der chemischen Industrie, ein Papier der Röhrenindustrie und zwei Papiere der Elektroindustrie angeboten.

Die Verflechtung wird auch in andere Richtungen weiterverfolgt. So ist dieser Tage die Aktie der Banque de Paris et des Pays-Bas, einer der größten Geschäftsbanken Frankreichs, an der Genfer Börse eingeführt worden.

Dagegen stößt die Einführung französischer Wertpapiere auf der Frankfurter Börse immer noch auf gewisse Schwierigkeiten. Sie sind zum größten Teil währungspolitischer Natur. Da Inländerkonvertibilität in Frankreich immer noch nicht besteht und auch in absehbarer Zeit nicht eingeführt werden wird, sind für das französische Börsenpublikum Arbitrage-Operationen gar nicht oder nur beschränkt möglich.

Immerhin soll die Einführung der Aktien des französischen Aluminium- und Chemietrustes Pechiney auf der Frankfurter Börse vor einigen Tagen geklärt sein. Die Einführung soll in den nächsten Tagen erfolgen und wird von der Deutschen Bank vorgenommen werden. Vor einiger Zeit war die Rede davon, daß St. Gobain, das auch in Westdeutschland mehrere Glasfabriken besitzt, auf der Frankfurter Börse eingeführt werden soll. Das Projekt scheint jedoch inzwischen wieder zurückgestellt worden zu sein.