Nach Untertanengeist und Nibelungentreue: Großer Mann – was nun?

Von Marion Gräfin Dönhoff Bundeskanzler Adenauer hat den Beschluß, nun doch nicht für das Amt des Bundespräsidenten Zu kandidieren, mit der außenpolitischen Situation Deutschlands begründet: Es sei angesichts der sich verschlechternden außenpolitischen Lage besser, so sagte er, wenn er bleibe. Besser? Er müßte außenpolitische Wunder vollbringen, wenn der Schaden, den dieser wankelmütige Entschluß auf innenpolitischem Gebiet angerichtet hat, vergessen oder gar wettgemacht werden sollte.

Denn wie sieht schließlich die Bilanz der letzten Tage und Wochen aus?

Außenpolitisch:

Der Kanzler hat dem Ausland ganz eindeutig vor Augen geführt, daß alle Deutschen, bis auf einen, unzuverlässig sind. Er, dem seit Jahren das Vertrauen des Auslands sicher ist, hat nicht versucht, den Personalkredit "Konrad Adenauer" in einen Realkredit "Bundesrepublik Deutschland" umzuwandeln. Er hat es nicht versucht, schlimmer noch: er hat diesen notwendigen (und möglichen) Prozeß nun sogar verhindert.

Innenpolitisch:

1. Der Kanzler hat "sich selbst angeschossen", und es ist fraglich, ob er je wieder der alte sein wird.