A. M., Paris, im Juni

In einer Kammerrede über Algerien hat Frankreichs Premierminister Debré deutlicher als je ausgesprochen, was schon immer als Leitbild hinter der Politik de Gaulles stand: Wenn Frankreichs Verbündete die französische Politik nicht zu der ihren machten, seien die atlantischen Verträge in Frage gestellt. Indirekte Antwort darauf war, was am Montag ein Sprecher der NATO in abstrakter Generalstabssprache verkündete: Die NATO-Führung – und das heißt Amerika – erwäge Maßnahmen, "die nötig sind, um volle Wirksamkeit der zur Zeit in Frankreich stationierten alliierten Luftwaffeneinheiten zu gewährleisten

Was heißt das in der Alltagssprache? Frankreich hat bisher – im Gegensatz zu England und Italien – nicht nur die Einrichtung von Atombombenlagern auf seinem Arbeitsgebiet verweigert, sondern auch der Bundesrepublik bislang den Bau von Raketenrampen nicht zugestanden. Eine angelsächsisch-französische Führungsspitze und die Lüftung der Kernwaffen-Geheimnisse sind der Preis, den Paris für die Zulassung jener Installationen auf französischem Boden verlangt.

Der Orakelspruch der NATO zeigt nun aber, daß die Haltung der USA angesichts solcher Forderungen nicht weicher wird, sondern sich vielmehr versteift. Nach allgemeiner Ansicht heißt jener Satz nämlich: Es hat keinen Sinn, in Frankreich Bomber zu stationieren, die ihre Bomben erst außerhalb Frankreichs holen müssen; verlegen wir also unsere Geschwader anderswohin. Oder, kürzer ausgedrückt: Es geht auch ohne euch.