Die Entwicklung der petrochemischen Industrie läuft selbst ihren Urhebern davon. Das zeigt sich am Beispiel der Rheinischen Olefinwerke GmbH in Wesseling. Dieses Werk hatte im Jahre 1956 die geplante Erzeugung von 6500 t des Kunststoffes Lupolen und von 12 000 t Äthylbenzol (ein Zwischenprodukt) bereits überschritten. Die Karte, an der Dr. Roser, der Direktor des Unternehmens, nun vor wenigen Tagen die weiteren Ausbaupläne des größten petrochemischen Werkes in der Bundesrepublik zeigte, wies fast ebensoviel rote wie schwarze Flächen aus: schwarze Felder – Anlagen bereits in Tätigkeit; rote – neue Investitionsvorhaben.

Dieses Bild ist verständlich, wenn man hört, daß die Rheinischen Olefinwerke bis 1962 ebensoviel investieren wollen wie von 1953 bis 1959, nämlich 250 Mill. DM. Damit soll die Kapazität mehr als verdoppelt werden. Diese Pläne halten mit der Auffassung von Sachverständigen Schritt, daß sich die europäische Produktion an petrochemischen Erzeugnissen bis 1965 verdreifachen werde.

Die Rheinischen Olefinwerke haben heute, nach Abschluß der zweiten Ausbauphase, eine Kapazität von jährlich 50 000 t Äthylen. Daraus werden 35 000 t Lupolen im Hochdruckverfahren, 6000 t im Niederdruckverfahren und 12 000 t Äthylbenzin hergestellt. Außerdem werden jährlich 2000. t Epikote, ein Grundstoff für die Lackproduktion, hergestellt.

Ein Kilogramm Lupolen wird zu 3,70 DM verkauft. Der Kunststoff eignet sich zur Herstellung von Folien ebenso wie zur Erzeugung von Kinderspielzeug, Schutzhelmen und industriellen Rohren oder Behältern. Die Gesellschafter der Rheinischen Olefinwerke GmbH, die Badische An ihn – und Sodafabrik AG und die Deutsche Shell Aktiengesellschaft (beide 50v.H. von 80 Mill. DM Grundkapital), sind davon überzeugt, daß der Markt für Lupolen ständig größer werde. Deshalb wollen sie einen Ausbau der Verarbeitungskapazität von Äthylen zu Polyäthylenen um 150 v. H. auf 125 000 t bis 1962 erreichen. Die Herstellung von Äthylbenzol und Epikote soll nicht ausgedehnt werden. Bis 1965 würden sich wahrscheinlich neue Ausbauinvestitionen anschließen, meinte Dr. Roser.

Der erste Bauabschnitt ist jetzt in Einzelplanung. Mit einem voraussichtlichen Kapitalaufwand von 200 Mill. DM werden die Anlagen bis 1961 auf die Herstellung von 77 000 t Lupolen erweitert; damit können 36 000 t mehr als Ende 1959 produziert werden. Die dazu erforderliche neue Äthylanlage soll eine Kapazität von 75 000 t haben und zu den größten in der Welt zählen.

Die Finanzierung dieser großen Vorhaben soll In gleicher Weise vorgenommen werden wie bisher. Der Kapitalposten ist gegenwärtig zu 50 v. H. durch eigene und zu 30 v. H. durch langfristige Fremdmittel gedeckt Trotz hoher Abschreibungen – die Unternehmung nützte nach Angaben von Dr. Roser die degressiven Abschreibungsmöglichkeiten voll aus – konnte bereits 1958 ein kleiner Gewinn an die Gesellschafter abgeführt werden. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 70 Mill. DM Auf der Grundlage der augenblicklichen Preise wird für 1959 ein Umsatz von 120 Mill. DM erwartet. Die Rheinischen Olefinwerke beschäftigen zur Zeit 1200 Menschen.

L. D.