Was bei einer Hochschulreform nicht vergessen werden sollte (III)

Von Wolfgang deinen

Was der Deutsche Ausschuß für das Erziehungs- und Bildungswesen in seinem wichtigen Schulreformplan über die Situation auf der höheren Schule soeben ausgesprochen hat, ließe sich fast wörtlich auch auf die Universitäten anwenden: "Die fühlbarste Belastung des heutigen Schulsystems ist der immer stärker werdende Andrang zu den weiterführenden Schulen. Der Wille, mit den jungen Gliedern der Familie in einen höheren sozialen Rang aufzusteigen ... ist nahezu allgemein geworden. Er wird erregt durch die seit langem angebahnte, in den letzten Jahrzehnten kaum noch eingegrenzte Beweglichkeit unserer Sozialstruktur, die das Aufsteigen oder das Absinken für jeden in den Bereich des Möglichen rückt."

Und wenn der Ausschuß als Folge dieses Andrangs feststellt: "Die weiterführenden Schulen erhalten eine Schülerschaft, deren Befähigungsdurchschnitt der überlieferten Höhe der Anforderungen nicht mehr voll genügt" – so gilt dies in verstärktem Maße auch für die Hochschule.

Es sieht sich die Universität in der Erfüllung ihrer Bildungs- und Ausbildungsaufgabe einer neuen Lage gegenüber: nicht nur sehr viel mehr Studenten sind es heute, sondern auch vielfach Studenten, die – verglichen mit der Zeit vor dreißig Jahren – mit anderer Zielsetzung, aus anderen Motiven und nicht zuletzt mit anderen geistigen Voraussetzungen auf die Universität kommen. Es gilt diese Realitäten zu erkennen, um sich vor Fiktionen zu bewahren.

Die hohen Studentenzahlen sind überdies nicht nur auf jenes Aufstiegsstreben zurückzuführen," sondern werden ebensosehr bedingt durch den ständig steigenden Bedarf an akademisch qualifizierten Anwärtern für eine große Zahl von gehobenen Berufen, von denen von Jahr zu Jahr mehr, unberechtigt und berechtigt, akademische Abschlußprüfungen fordern.

Kritik am akademischen Unterricht