Die Stahltochter des Rheinstahlkonzerns, die Ruhrstahl AG, Witten, die jetzt als erstes Unternehmen dieser Gruppe den Jahresabschluß für 1958 veröffentlicht, wird den wenigen noch verbliebenen freien Aktionären wieder die nach dem Organschaftsvertrag garantierte Rheinstahldividende ausschütten. Das sind wie im vorigen Jahr 11 v.H. auf das inzwischen erhöhte Kapital von 46 Mill. DM, wovon sich auch nach der Kapitalerhöhung nur noch einige wenige Prozent außerhalb des Rheinstahl-Portefeuilles befinden.

Die Aussagen der Ruhrstahl AG über den Geschäftsgang im Jahre 1958 decken sich mit den Angaben anderer Hüttenwerke, die schon vor Ruhrstahl ihre Abschlüsse veröffentlicht haben. Der konjunkturelle Rückgang in der westdeutschen Eisen- und Stahlindustrie hat auch das Ergebnis der Ruhrstahl AG und ihrer Organgesellschaft Gußstahlwerk Oberkassel AG in dem am 31. Dezember 1958 abgelaufenen Geschäftsjahr beeinflußt. Obwohl der Konjunkturrückgang im Ergebnis dieses Jahres noch nicht voll zur Auswirkung gelangte, da Aufträge zu guten Abschlußpreisen aus dem Jahre 1957 erst im Berichtsjahre ausgeliefert wurden, hat sich die Ertragslage verschlechtert. Der Absatzrückgang und das Absinken der Verkaufserlöse – vor allem im Exportgeschäft – führten gegenüber dem Vorjahre zu einer Umsatzminderung von rund 17 v. H.

Insgesamt betrug der Umsatz des Unternehmens im Berichtsjahr 433 (507) Mill. DM, davon gingen noch 96 (122) Mill. DM in den Export. Wie zahlreiche andere Hüttenwerke berichtet auch die Ruhrstahl AG, daß die Einsparungen auf der Rohstoffseite durch den Preisverfall zusammen mit der Kostenprogression auf Grund unausgenützter Kapazitäten mehr als kompensiert wurden. Die Erzeugungskurve zeigt vor allem bei Walzwerkfertigerzeugnissen und beim Roheisen einen starken Abfall, während die Rohstahlleistung mit 571 000 (567 000) t sogar leicht verbessert werden konnte. Die Roheisenerzeugung ging auf 298 000 (379 000) t und die Walzstahlproduktion auf 356 000 (422 000) t zurück. Während Rohstahl noch mit einem ausgezeichneten Auftragspolster von 184,3 Mill. DM in das Geschäftsjahr 1958 hineingegangen war, verringerte sich der Auftragsbestand bis zum Beginn des laufenden Jahres auf 102,5 Mill. DM. Der Versand, der im Monatsdurchschnitt 35,2 (42,7) Mill. DM erreichte, lag erstmalig seit 1953 wieder über dem Auftragseingang von 28,7 (43,6) Mill. DM im Jahresdurchschnitt.

Diese Zahlen fallen keineswegs aus dem Rahmen des Revier-Durchschnitts. Aber der Ausblick, den die Ruhrstahl-Verwaltung auf das laufende Geschäftsjahr gibt, ist merklich zurückhaltender als die Beurteilung der gegenwärtigen Marktlage durch andere Werke. Die Entwicklung des Stahlgeschäfts sei trotz der Belebung am westdeutschen Stahlmarkt als unübersichtlich zu bezeichnen, heißt es im Geschäftsbericht. Vor allem wird über den Grobblechmarkt noch geklagt, dessen Erholung noch nicht nachhaltig genug sei. Der Auftragsbestand des Unternehmens sei im ganzen gesehen weiterhin unbefriedigend, und trotz einer Besserung im Auftragseingang sei die für die Wirtschaftlichkeit so wichtige Ausnutzung der Anlagen nicht sichergestellt. Preß- und Hammerwerk, Gießereien und auch die Bearbeitungswerkstätten der Henrichshütte waren in den ersten Monaten dieses Jahres noch immer nicht voll ausgelastet. Günstiger schnitten die Werke Annen und Brackwede ab, während sich die schlechtere Beschäftigung bei den Gießereien allmählich auch auf Oberkassel auswirkt.

Das vorgesehene Investitionspensum wurde bei Ruhrstahl im Berichtsjahre trotz schlechterer Erträge ohne Abstriche durchgeführt. Allerdings waren die Aufwendungen geringer als im Vorjahr, aber die Abschreibungen waren dafür etwas höher! Für Investitionen wurden einschließlich geleisteter Anzahlungen in 1958 39 (48,6) Mill. DM aufgewendet, Abschreibungen konnten auf 30,3 (28,5) Mill. DM erhöht werden. Die seit langem geplante Errichtung der Erz-, Sinter- und Verladeanlagen konnte 1958 noch immer nicht in Angriff genommen werden, da die hierfür notwendige Ruhrverlegung zur Gewinnung neuen Hüttengeländes wegen langwieriger Verhandlungen erst jetzt begonnen werden konnte. nmn.